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Taoismus

Unredigierte Schriften:

"Die Wahrheit ist das, was man so schnell wie möglich loswerden und an jemand anderen weitergeben muß. Wie bei der Krankheit ist das die einzige Art, von ihr geheilt zu werden. Wer an der Wahrheit festhält, hat verloren." (Baudrillard, Cool memories 1980 - 1985, Berlin 1990)

Begegnungen mit dem Wunderbaren Erfahrungen eines Arztes in der Behandlung mit der Vegeto-/Orgontherapie Wilhelm Reichs.    

"Niemand interessiert sich mehr - das Protoplasma funkelt nicht mehr." (Wilhelm Reich, Interview der Sigmund Freud Archive, 1954)  

"What is orgone? What do we mean when we use the word orgone? Orgone is an abstraction of the mind. What we see are its manifestations. You must never confuse the word for what we see.  (...) The discovery consists in the interlacing of the phenomena."

(Wilhelm Reich, Diskussion mit seinen Studenten im August 1950)      

1. Einleitung  

In meiner nunmehr achtjährigen, überwiegend täglichen Arbeit mit erkrankten Menschen, deren medizinische Diagnosen sich schwerpunktmäßig auf die Krankheitsbilder Leukämie, nicht kurable Schmerzzustände und Krebserkrankungen konzentrierten, geschahen viele Irritationen, tauchten neue Fragestellungen in Bezug auf das Behandlungsmodell und die tatsächlichen Wirkkräfte der energetischen Orgontherapie Dr. med. Wilhelm Reichs auf.  

Der folgende Artikel  ergänzt und erweitert den 1987 erschienenen persönlichen Erfahrungsbericht "Orgonakkumulatorbehandlung schwererkrankter Menschen", der in erweiterter Form unter dem Titel "Ein Beitrag zur Krebstheorie und Krebstherapie nach Wilhelm Reich" in zahlreichen Veröffentlichungen vorliegt.  

Ich danke den Menschen, die mich zu diesen Fragestellungen begleitet haben, insbesondere Dr. Eva Reich, der Tochter und späteren Mitarbeiterin Wilhelm Reichs, Dr. Hanspeter Seiler, dem ärztlichen Direktor der Bircher - Benner - Klinik in Zürich, Dr. Richard Blasband, dem langjährigem Präsidenten des American College of Orgonomy und dem amerikanischen Psychologen Will Davis für zahllose intensive persönliche und fachliche Zusammenkünfte im Zusammenhang mit dem Versuch, eine gemeinsame Terminologie für ein unbekanntes Terrain zu erschaffen.

Als ich 1987 mit neunzehn an Krebs erkrankten Menschen die biophysikalische Orgontherapie, d.h. den Einsatz des Orgonakkumulators und des medical dor - busters zu erforschen begann, gab es bei einigen Patienten - insbesondere in den ersten vier Wochen der Akkumulatorbestrahlung - organismische Reaktionen, die eine Intervention mit der plasmatischen Pulsationsarbeit des späten Reich notwendig machten. In diesen Behandlungsstunden zeigten die über fünfzigjährigen schwerkranken Menschen vegetative Reaktionen, die ich bisher nur nach langer Arbeit an "Normalgesunden" beobachtet hatte: Sie zeigten weiche, ungebrochene Pulsationswellen, die in vielen neoreichianischen Richtungen als "Orgasmusreflex" bezeichnet werden. Mit dem Auftauchen dieser Fließbewegungen nach wenigen orgonmedizinischen Behandlungen verschwand regelmässig die Blockierung gegenüber der Weiterführung der Akkumulatorbehandlung. Da ich diese Menschen unentgeltlich neben meiner Praxistätigkeit betreute, waren die Patienten und auch ich froh darüber, daß dieses Interventionsziel immer sehr schnell und ohne großen Behandlungsaufwand erreicht werden konnte. Der scheinbare Widerspruch, daß diese schwersterkrankten Menschen so unerwartet durchlässig erschienen und ein Fernziel der Behandlung anscheinend so schnell erreichen konnten, blieb mir jedoch immer verwunderlich. Auch Eva Reich, die zu dieser Zeit mehrere Monate in Berlin lebte, wußte keine Antwort, wies aber darauf hin, daß derartig hochdosierte ORAC - Behandlung noch nie durchgeführt worden war und diese organismischen Reaktionen möglicherweise hiermit im Zusammenhang stehen konnten. Endgültig irritierend wurden die gleichen Beobachtungen, als ich ab Anfang 1988 die ersten krebserkrankten Menschen mit der vegetativ - energetischen Pulsationsarbeit und dem ORAC kontinuierlich in Behandlung nahm. Alle Patienten, die beide Behandlungsverfahren erfuhren, leben zur Zeit der Niederschrift dieses Beitrages (1994) und diese kleine Schrift soll die Erfahrungsschritte vorläufig skizzieren, die wir gemeinsam durchquert haben.  

Die publizierten Erfahrungen mit den auf der von Reich in den dreißiger Jahren in Skandinavien entwickelten Technik der Vegetotherapie abgeleiteten Verfahren der körperorientierten Psychotherapie (Bioenergetik, Radix, Core - Energetik) beruhten bis Mitte der achtziger Jahre auf Entladungstechniken (dischargework), oft unter Anwendung von sog. Streßpositionen mit gleichzeitiger vertiefter Atmung. Diese Art der Körperarbeit führte und führt auch heute zu beeindruckenden Ergebnissen, wenn der Behandelte unter Überladungssymptomen leidet. Vibrationen und Faszikulationen der Gesichts- und Körpermuskulatur unter vertiefter Atmung und willkürlicher Muskelanspannung können chronisch angespannte segmentale Zonen im menschlichen Körper revitalisieren und in vielen Fällen blockierte Empfindungen wieder in das Bewußtsein des Erlebenden bringen. Behandelnde aller Richtungen bekamen aber auch immer wieder Patienten zu Gesicht, bei denen keine oder kaum organismische Reaktionen auftraten und für die diese Herangehensweise manchmal mit zeitweise auftretenden, in manchen Fällen auch bleibenden körperlichen Störungen einherging. Andererseits gab es Patienten, die obwohl sie mit ernstzunehmenden charakterlichen oder psychosomatischen Problemen in eine Körpertherapie eintraten, bereits in den ersten Behandlungsstunden vegetative Reaktionen aufwiesen, die dem bisher verbreiteten Bild des freien Flusses der körpereigenen Energie entsprechend reagierten. Viele Therapeuten verdrängten nach anfänglicher Irritation über diese wiederkehrenden Phänomene die daraus resultierende Infragestellung des Behandlungsmodells der neoreichianischen Schulen und versicherten den Patienten, daß im Wesentlichen alles in Ordnung sei; Patient und Therapeut konnten sich damit sicher fühlen und so gemeinsam übersehen, daß außer der beruhigenden Introjektion des Gesundheitsmodells des Therapeuten durch den Patienten sich kein wesentlicher Prozeß eröffnete. Anfang 1988 eröffnete sich mir durch die Erfahrung der Reaktionsformen bei an Krebs erkrankten Menschen im Zusammenhang mit diesem oben geschilderten Hintergrund eine grundlegend andere Verständnisebene, die ich im Weiteren ausführen werde. Es wurde auffällig, das bei dieser von den Patienten ungewöhnlich mühelos empfundenen Arbeit zwar fließende organismische Reaktionsformen, aber keine korrelierten körperlichen Manifestationen eines sich langsam entwickelnden, selbstregulierenden Energiestroms auftraten. Keiner dieser Patienten bekam Hautausschläge, stark veränderte Ausscheidungsfunktionen, Sensationen im Bereich des Herzleitungssystem oder starke Veränderungen im Schlaf-/ Wachrhythmus, Phänomene die bei jeder hochenergetischen Behandlungsperiode die Regel bilden. Es schien, als ob der Organismus die intensivierte Ladung ohne Abwehr aufnehmen, tolerieren und durch autonome Reaktionsweisen innerhalb einer Behandlungsstunde wieder abführen konnte. Die an den von Reich beschriebenen Orgasmusreflex erinnernde Reaktionsweise konnte leicht und kontinuierlich hervorgerufen werden. Ich begann, Reichs Hauptwerke und seine späten Artikel neu zu lesen, da ich auch bei den mikrobiologischen Untersuchungen 1980 - 1984 auf viele Widersprüche zu den Beschreibungen Reichs gestoßen war, die sich oft durch ein wiedervertiefendes Lesen seiner Laborprotokolle nicht nur auflösten, sondern zu einem grundlegend tieferen Verständnis der Vorgänge z.B. im menschlichen Blut führten.  Ähnlich war es mir auch bei den ersten Versuchen mit dem Orgonakkumulator gegangen. Zunächst las ich die beiden autobiographischen Bände "Die Entdeckung des Orgons", dann die dritte Auflage der "Charakteranalyse" insbesondere den Teil "Der Einbruch ins biologische Fundament", "Orgonomic Medicine" und "Core". Langsam bildete sich Reichs Erfahrungsweg in der Behandlung erkrankter Menschen hervor. In den zwanziger Jahren war das hydraulische Modell der gestörten oder verminderten Abfuhr von Erregungsspannungen im Organismus prägend für die meisten Lehrer Wilhelm Reichs, er selbst arbeitete mit der ersten Fassung von "Funktion des Orgasmus" eines der brillantesten Werke zu diesem Energiemodell aus.

Neurosen wurden grundsätzlich als Ausdruck verminderter oder gestörter Abfuhr libidonöser Spannungen angesehen, Reich fand dies in seiner klinischen Arbeit als junger Analytiker in vollem Umfang bestätigt. Bis in sein Hauptwerk "Der Krebs" durchzieht das Problem der Unfähigkeit zur Entladung angestauter Energie seinen therapeutischen und naturwissenschaftlichen Forschungsweg, wird das Erreichen des Orgasmusreflexes als Wiederherstellung der vollen organismischen Gesundheit, der vegetativen Beweglichkeit dargestellt. Und auch ich überlas bis 1988 einige Male die Textstelle, welche unvermittelt sein gesamtes bisheriges Modell gesunden Funktionierens in Frage stellt und die Ebenen der Energieausdrücke im Menschen erweitert und differenziert:   "Der klinische Vergleich der Krebsbiopathie mit der Gefäßhypertonie zwang dazu, eine grundsätzliche verschiedene Verarbeitung der der aufgestauten Sexualerregung im Biosystem anzunehmen: Bei der vaskulären Biopathie ( Angstneurosen infolge Abstinenz ) bleibt die Sexualerregung biologisch, physiologisch und emotionell dauernd lebendig. Mit anderen Worten, der biologische Kern des Organismus, der autonome Lebensapparat, produziert weiter Energie in vollem Ausmaße. Der Organismus reagiert dagegen im Kontraktionszustand mit Angst - oder Wutausbrüchen und mit körperlichen Symptomen wie mit Basedow oder Diarrhoe, etc. Beim Krebs dagegen gibt der biologische Kern in der Energieproduktion nach. Mit dieser Verminderung der Energieproduktion werden Emotionen und Erregungen mit der Zeit schwächer und schwächer. (...)  

Die genaue Beobachtung ihres (der von Reich behandelten, an Krebs erkrankten Menschen, d.Verf.) Verhaltens widersprach der Annahme, daß es in der biologischen Tiefe verdrängte Affekte gab. Es gab auch in der Tiefe keine Affekte! Wir konnten überraschend leicht zum Orgasmusreflex vordringen, aber auch hier stießen wir auf Affektschwäche. Affekte sind Ausdruck bioenergetischer Zellerregung. Durchbricht man bei einem Stauungsneurotiker mit Herzangst die Atembremsung, so kommen unweigerlich und unmittelbar starke Erregungen durch. Nichts dergleichen war bei unserer Kranken zu sehen. Die Korrektur ihrer Atmung im Laufe von zwei Monaten brachte zwar  spontane vegetative Bewegungen, aber keine lebhaften Affekte. Da der Orgasmusreflex schwach war, hatten sie keine Angst davor, im Gegensatz zu einer Person mit Stauungsneurose, die in Verbindung damit schwere Angst erlebt. Diese Affektarmut reichte also tief ins biologische System."(Reich, "Der Krebs", S.221ff., Köln 1974).

Reichs Weg war bis dahin von der Sichtweise neurotischer Symptome als Überladungserkrankungen geprägt. Hiernun nach dem "Einbruch ins biologische Fundament" zeichnet sich für zahlreiche organische  Erkrankungen das Problem unzureichender Ladung (oder auch: unzureichender Ladungshaltekapazität) des Organismus ab. Sind die Peripherie und die mittlere energetische Schicht des menschlichen Organismus nicht in der Lage, durch Nahrungsaufnahme, Sonneneinstrahlung und atmosphärische Bedingungen aufgenommene Energien zu speichern und zu verkörpern, muß der biologische Kern diese Energie utilisieren und entladen. Die vom biologischen Kern zu entladenen Energien brechen sich an den anderen Schichten des Organismus und  führen in der Regel zu Symptomen als kompensatorische Mechanismen der Entladung der organismischen Energien. Ist diese Möglichkeit durch unzureichende Ladungshaltekapazitätz der körperlich - energetischen Strukturen nicht gegeben, so benutzt der biologische Kern den evolutionär primitivsten Weg der Ladungsabfuhr: den der Zellteilung zur Erniedrigung der zellulären Oberflächenspannung. Unkontrollierte Zellteilung ist nach den biologischen Forschungen Reichs der letztmöglich zu benützende Weg der Entladung der körpereigenen Energien auf  der biologisch primitivsten Ebene. Den Schwerpunkt der Behandlungen Reichs ab Beginn der vierziger Jahre bilden an Krebs erkrankte Menschen. An seinen Freund A.S. Neill schreibt er in dieser Zeit, daß er keine neurotischen Patienten mehr ertragen kann; die Forschung am Akkumulator und an neuen Möglichkeiten der Arbeit am biologischen Kern des Organismus binden sein Hauptinteresse. Die Durchlässigkeit der organismischen Peripherie, die Unfähigkeit, aufgrund der unzureichenden Haltefähigkeit von Ladungsvorgängen in Haut, Muskulatur und peripheren Geweben zu einem Ausgleich der Erregungsspannungen zwischen dem biologischen Kern und der organismischen Peripherie zu kommen, faszinieren ihn und erfordern grundlegend andersartige therapeutische Interventionen. Unter Charakter versteht Reich nun "die biophysikalische Reaktionsweise des Organismus", Panzerung ist ein Ausdruck einer "plasmatischen Motilitätssteigerung", einer "biopathischen Lähmung der Plasmaperipherie", von ihm behandelte Menschen nehmen "Stunden in vegetotherapeutischer Gymnastik" (Reich, "Der Krebs", S. 349-359). "Orgontherapie" wird der Oberbegriff der neuen, sich herausbildenden Behandlung, Arbeit am menschichen Plasmasystem.

"Stellen wir uns nun die biologischen, physiologischen und seelische Funktionen plasmatisch - räumlich vor; wir haben einen weiten Kreis mit einem Zentrum ("Kern") vor uns. Das Einschrumpfen der Kreisperipherie entspräche dem  Einsetzen der charakterlichen und emotionellen Resignation. Der Kern, das Zentrum des Kreises, ist noch unberührt. Dieser Prozeß schreitet gegen das Zentrum zu fort, das den "biologischen Kern" darstellt. Der biologische Kern ist nichts anderes als die Summe aller plasmatischen Zellfunktionen. Hat der Schrumpfungsprozeß disen Kern erreicht, dann beginnt das Plasma selbst einzugehen. Dies fällt mit dem Prozeß des Gewichtsverlusts zusammen. Lange bevor es zu unmittelbaren Schädigungen der Plasmafunktion selbst kommt, sind aber die peripheren, physiologischen und charakterlichen Funktionen gestört: Kontaktfähigkeit im sozialen Verkehr, Lebensgenuß, Lustfähigkeit, Arbeitsfähigkeit, dann Pulsation und vegetative Erregung." (a.a.o., S.224)
Der Begriff der Anorgonie, gleichbedeutend mit Blockierung der Plasmamotilität, wird neben dem der Biopathie zu einem der bedeutendsten terminologischen Neuprägungen des therapeutischen Spätwerkes; die "Herabsetzung der totalen Energiefunktion des Organismus"(a.a.o., S.347), geht einher mit einem "wohl zu definierenden, bisher unbekannten Krankheitszustand des Organismus, den ich besonders ausgesprochen bei Krebskranken und zu Krebs neigenden  Menschen traf" (kursiv vom Verf.). Reich publiziert nach der dritten Auflage der Charakteranalyse kein umfassendes Werk zum therapeutischen Ansatz mehr; die biophysikalische und orgonenergetische Forschung nimmt ihn mehr und mehr in Anspruch. Zahlreiche Hinweise finden sich jedoch in seinen vom "Orgone Energy Institute" herausgegebenen Publikationen.
Am eindrucksvollsten erweisen sich jedoch die Tonbänder seiner Supervision und Ausbildung von Ärzten in orgonenergetischer Therapie in den fünfziger Jahren, von denen einige Abschriften seit Beginn der siebziger Jahre von der Treuhänderin Mary Boyd Higgins in dem Journal "Orgonomic Functionalism" publiziert worden sind. Der Autor war zu Beginn und am Ende der achtziger Jahre zu in der Teilnamemöglichkeit auf Mediziner beschränkten Zusammenkünften mit Zugang zu diesen Tonbändern im Reich Museum; in einer kleinen Ärztegruppe wurden zusammen mit Mary Boyd Higgins und einem noch lebenden Teilnehmer dieser Supervisionstreffen Reichs, Dr. Chester M. Raphael, diese Materialien tagelang vorgespielt und durch Dr. Raphael präzisiert. 1993 wurden einige Audiobänder, ebenfalls durch einen Mitarbeiter Reichs, Dr. Myron Sharaf, in Berlin in kleinem Kreis vorgestellt und besprochen. Ein zentrales Thema der Hinweise und Kommentare Reichs ist : " we go down, down down in therapy, the less the patient talks, the better " und : "we always move toward the simple, to the biological core of the organism". - Arbeit am biologischem Kern , an der lebendigen Plasmazuckung, dies bildet den Schwerpunkt der Behandlung und Therapie Reichs von 1948 bis zu seinem Tod im Jahre 1957.

2. Das Gesundheits- und Krankheitsmodell Reichs  

"Ich habe in Wirklichkeit nur eine einzige Entdeckung gemacht: die lebendige Plasmazuckung."

( Reich, 1954, Interview mit K. Eissler im Auftrag des Sigmund  Freud Archivs )  

"Die Terminologie der Psychoanalyse ist vorläufig und nur solange gültig, bis sie von der Physiologie ersetzt wird."

( Freud, Brief an Fließ in: Der Ursprung der Psychoanalyse, Imago, 1954)  

"Das Gebäude der psychoanalytischen Lehre, das wir aufgebaut haben, ist in Wirklichkeit nur ein Überbau, der irgendwann auf seine organischen Grundlagen zu setzen sein wird; aber diese Grundlage ist uns bisher noch unbekannt."

( Freud, Neue Folge der Vorlesungen zur Psychoanalyse, Studienausgabe Bd.1 Frankfurt/M. 1969 )  

Die Grundlagenforschung Wilhelm Reichs zur Psychosomatik und Energetik des menschlichen Organismus fand ihren Ausdruck in dem Begriff der "Biopathie" als Arbeitshypothese zur Erfassung vegetativ - energetischer Faktoren in ihrer Korrelation zur Krankheitsentstehung.  

Ausgehend von seinen experimentellen Untersuchungen in den dreissiger und vierziger Jahren dieses Jahrhunderts, einer Zeit, in der die Erforschung der Grundfunktionen des autonomen Nervensystems auf einem nie wieder erreichten Höchststand der Kenntnis von funktionalen Zusammenhängen (und nicht auf morphologisch orientierter Klassifikation, wie seit der Erfindung der Elektronenmikroskopie) angelangt war, definierte Reich die Gesundheit als Fähigkeit eines Lebewesens, in rhythmischer Oszillation zwischen Zuständen des Gerichtetseins auf die umgebende äußere Welt und der Orientierung auf innere Zustände des Organismus hin- und herzuschwingen. Das Erlangen bzw. Bewahren dieser z.B. beim Kinde von jedem menschlichen Beobachter unmittelbar wahrzunehmenden Funktion des Einwirkens und Erforschens der umgebenden Welt und der Integration des Neuerfahrenen, Neuerforschten betrachtete Reich auf allen Ebenen, auf denen sich diese Grundfunktion aller lebendigen, komplexorganisierten Substanz zu erhalten und neu zu strukturieren vermag, als Kennzeichen der seelischen und körperlichen Gesundheit. "Die Gesundheit eines Menschen ist eben nicht ein Kapital, das man aufzehren kann, sondern sie ist überhaupt nur dort vorhanden, wo sie in jedem Augenblick erzeugt wird. Wird sie nicht erzeugt, dann ist der Mensch bereits krank." ( Viktor v. Weizsäcker, "Soziale Erkrankung, soziale Gesundung", Göttingen 1955 ) Reich definierte damit "Gesundheit" nicht als Abwesenheit von Einschränkungen, Symptomen, Krankheiten des menschlichen oder tierischen Organismus, sondern im Gegensatz dazu als eine Funktion des Wechselspiels, der Wechselwirkung von Subjekt und innerer und äußerer Welt, als ständig sich verändernde Auseinandersetzung des Organismus mit sich selbst und der ihn umgebenden Welt. Wie wenige Psychosomatiker seiner Generation war Reich an der Erforschung der Auf - und Abwärtseffekte in der Entstehung von Krankheit interessiert und betrachtete den Organismus immer als eingebunden in gesellschaftliche, kulturelle und politische Gegebenheiten, Gesundheit und Krankeit als Ausdrucksformen und Wiederspiegelung dieser Einflüsse im Individuum.

Energetische Umwelt
Biologische/physikalische Umwelt
Politische Umwelt
Kulturelle Umwelt
Soziale Umwelt
Familiäre Umwelt
Personale Umwelt Individuum mit Geschichte, Erfahrung und Verhalten Gesamtorganismus
Vegetativum
Organsysteme 
Organe
Zellen
Moleküle
Atome
Subatomare Partikel
Energiekontinuum  

"Erzeugen von Wirklichkeit und Erzeugen von Gesundheit gehen Hand in Hand; Gesundsein vollzieht sich als ständiger Auf- und Umbau der konkreten Beziehungen zwischen Lebewesen und Umgebung, welche die Befriedigung der vitalen Bedürfnisse ermöglichen. Daher stellt die Summe der geglückten Beziehungen zwischen einem Lebewesen und seiner Umgebung (das heißt der Beziehungen, die Bedürfnisbefriedigung und "Selbstverwirklichung" ermöglichen) eine befriedigende individuelle Wirklichkeit für den Menschen dar. Auf den kürzesten Nenner gebracht ist also allgemeines Gesundsein das Meistern des Auf- und Umbaus der individuellen Wirklichkeit - allgemeines Kranksein gestörte Wirklichkeitsbildung."

( Thure v. Uexküll, Theorie der Humanmedizin, München 1988 )      

Reich bezeichnete diese Oszillation als "Urgegensatz des vegetativen Lebens", mithin als die elementarste Funktion der lebendigen Substanz auf diesem Planeten. Das Studium der polaren Zustände lebendiger Systeme unter dem Gesichtspunkt der Beeinflußbarkeit der Richtung und Amplitude ihrer Oszillation läßt sich als der Forschungsschwerpunkt Reichs in den Jahren 1934 - 1942 formulieren. Die naturwissenschaftliche Beschreibung des dieser Oszillation zugrundeliegenden Prozesses, der diese Pulsation des Lebendigen hervorbringenden Energie hatte Reich zu einer grundlegend neuen Sicht psychosomatischer, besser : vegetativ - energetischer Prozesse im menschlichen Organismus gebracht. Bis zu seinem Lebensende vertraute Reich zutiefst den Prinzipien der Selbstregulation und Selbstorganisation; ihre Erforschung und Beschreibung ist sein Beitrag zu einer Theorie des Lebendigen.
Reichs Forschungsschwerpunkt aber war die Herausarbeitung derjenigen Einwirkungen, die diese Funktionen einschränken, blockieren ja zerstören können und dies fortwährend tun, notwendigerweise damit die Frage nach einer Umorientierung und Veränderung pädagogischer, medizinischer und sozialer Organisationen.
All diese angeführten Einwirkungen beeinflussen die Pulsation des Organismus und vermögen seine Lebendigkeit einzuschränken, Reich definierte aus diesem Grunde eine Grunderkrankung des Lebendigen, die einmal vorhanden, sich in verschiedensten - aus dieser Sicht -  symptomatischen Erkrankungen wie Asthma, Herz- Kreislauferkrankungen, Epilepsie bis hin zu Krebserkrankungen und schizophrener Psychose zu äußern vermag.

Diese Grundstörung nannte er "Biopathie".  

"Wichtig ist uns zunächst das Gemeinsame aller dieser Erkrankungen: Es ist eine Störung der natürlichen Pulsationsfunktion des lebenden Gesamtorganismus. (...) Unter Biopathien wollen wir alle Krankheitsprozesse zusammenfassen, die sich am autonomen Lebensapparat abspielen. (...) Nur dort, wo der Krankheitsprozeß mit einer Pulsationsstörung beginnt, wollen wir von "Biopathie" sprechen, gleichgültig, in welches sekundäre Krankheitsbild sie ausläuft. Wir können demnach eine "schizophrene Biopathie" von der "kardiovaskulären Biopathie", diese wieder von der "epileptischen" oder "karzinomatösen Biopathie" etc. unterscheiden. Dieser Eingriff in die medizinische Terminologie rechtfertigt sich dadurch, daß wir keiner der vielen spezifischen Erkrankungen des autonomen Lebebensapparates beikommen, wenn wir nicht dreierlei tun:
1. diese Erkrankungen von den typischen Infektions - Krankheiten und chirurgischen Unfalls - Krankheiten abgrenzen;
2. ihren gemeinsamen Mechanismus, die Störung der biologischen Pulsation, aufsuchen und aufdecken;
3. ihre Aufsplitterung in die verschiedenartigen Krankheitsbilder begreifen lernen." ( Wilhelm Reich, Der Krebs, Köln 1974 )  

Diese Pulsationsstörung beginnt nach Reich immer mit einem Überwiegen der Kontraktion, mit einer akut auftretenden Sympathikotonie des vegetativen Systems, einer Erstarrung des energetischen Systems des Organismus. Dieser Zustand geht physiologisch einher mit gesteigerter sympathischer Aktivität, erhöhtem Blutdruck, gesteigerter Herzfrequenz und gesteigertem Stoffwechsel . Wird diese Kontraktion chronisch, so kommt es zu einer verminderten Reagibilität des autonomen Lebensnervensystems, die im Gefäßsystem, in der Versorgung lebenswichtiger Organe, im endokrinologischen sowie im immunologischen System hinein zunächst funktionelle, später morphologische Veränderungen zeitigen kann.  

Das Endstadium einer solchen langanhaltenden chronischen Kontraktion stellt in der Terminologie Reichs die Schrumpfungsbiopathie, d. h. das fast vollständige Erlöschen der Pulsation durch Erschöpfung des sympathischen Systems dar, sie führt in kurzer Zeit zum Tode und spiegelt sich im psychischen System als Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit.  

Eine Pulsationsstörung beginnt nach Reich immer mit einem Überwiegen der Kontraktion, mit einer akut auftretenden Sympathikotonie des vegetativen Nervensystems, einer Erstarrung des energetischen Systems des Organismus. Dieser Zustand geht physiologisch einher mit einer Steigerung der sympathischen Aktivität, erhöhtem Blutdruck, erhöhter Herzfrequenz und gesteigertem Stoffwechsel. Eine Veranschaulichung der tiefgreifenden Einflüsse des vegetativen Nervensystems auf den Stoffwechsel liefern nachfolgend aufgelistete, unter Sympathikusaktivierung veränderte Parameter:

Sympathikotonie       

Zunahme von :              Abnahme von :        

Adrenalin                      Alkalireserve
Blutzucker                    Blutfett
Calcium (Serum)            Cholesterin 
Chlor (Serum)                Eosinophilie  
Erythrozyten                 Insulin    
Eiweißkörper                  Kalium (Serum)
Gesamtstoffwechsel        Lymphozyten
 
Weiterhin Anstieg von :  
Kreatin
Leukozyten
Myelozyten
Pulszahl
Reticulozyten
Temperatur    

Ebenfalls lassen sich tiefgreifende Einflüsse des vegetativen Nervensystems auf die grundlegenden Abwehrvorgänge des menschlichen Organismus nachweisen:

Schema des unspezifischen Abwehrvorgangs (Hoff, Selye)  

(1.) Vorphase / Alarmraktion       

Parasympathikotonie  

Hypokoagulität

Steigerung der Fibrinolyse

Temperaturabfall Leukozytenabfall          


(2.) Phase I / Widerstandsstadium  

Sympathikotonie  

Hyperkoagulität
Hemmung (oder Steigerung) der Fibrinolyse

Fieberanstieg, Fieberhöhe

Leukozytenanstieg

Abfall der Eosinophilen

Abfall der Lymphozyten

Reticulozytenanstieg

Thrombozytenanstieg    


(3.) Phase II  

Parasympathikotonie  

Normalisierung der Gerinnung

Normalisierung der Fibrinolyse

Fieberabfall

Leukozytenabfall

Anstieg der Eosinophilen

Anstieg der Lymphozyten

Retikulozytenabfall

Thrombozytenabfall      


Um die unter dem Begriff der Biopathie subsummierbaren Prozesse und Erkrankungen schärfer einzugrenzen sind die u.a. von dem amerikanischen Internisten Robert Dew entwickelten Kriterien als sinnvoll zu betrachten, die hier modifiziert ind ergänzt genannt werden sollen:  

- Biopathien sind Erkrankungen unbekannter Ätiologie, d.h. nach heutiger medizinischer Kenntnis gibt es keine oder mehrere konkurrierende, einander z.T. widersprechende Erklärungsprinzipien hinsichtlich der Ursache der Erkrankung, wie z. B. bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises und der Mehrzahl der Autoimmunkrankheiten.
- Bei Biopathien entstehen oft funktionelle Symptome/Syndrome zeitlich vor Ausbruch der medizinisch diagnostizierbaren Erkrankung.
- Biopathien zeigen auch aus traditioneller Sichtweise eine psychosomatische Komponente, die Auftreten, Dauer und Intensität der subjektiven und/oder objektiven Symptome beeinfußt.
- Biopathien zeigen oft ausgedehnte Zeitspannen von Ausbrüchen und Verschwinden körperlicher Symptome, für die keine offensichtliche oder klinische Erklärung ausreichend ist. Strukturelle Veränderungen zeigen sich in dazu nicht eindeutig korrelierbarer Intensität.
- Biopathien zeigen ihre Symptomatik im gesamten Organismus wie z.B. Arteriosklerose und Hypertonie. Es ist keine umschriebene anatomische Grundlage als krankheitsverursachend isolierbar, zunehmende morphologische Veränderungen begleiten den Prozeß.

Dew listet den Schweregrad der biopathischen Erkrankung bezogen auf die folgenden verbreiteten Krankheitbilder in der nachstehend angeführten Reihenfolge auf:    

Gesundheit
Entzündliche Erkrankungen
Hochdruckbedingte Herz- Kreislauferkrankungen
Diabetes
Leukämie
Krebs    

Reich geht mit dem Begriff der "Biopathie" weit über das bedeutende, aber im Allgemeinen verbleibende Streßkonzept der psychosomatischen Medizin hinaus.
 
"Der Begriff Streß soll keine spezielle Krankheit bezeichnen, sondern ein bei allen spezielle Krankheiten ablaufendes allgemeines (biophysisches) Geschehen, mit anderen Worten etwas, das man als Kranksein überhaupt bezeichnen könnte. Selye (1946), dem wir das Konzept verdanken, schildert die Situation sehr eindrucksvoll, in der er zum ersten Mal die Notwendigkeit einer derartigen Vorstellung erkannte: Als Medizinstudent wunderte er sich, warum seine klinischen Lehrer bei der Vorstellung von Patienten mit verschiedenen Infektionskrankheiten so wenig Wert auf die eindrucksvollen Symptome legten, die zunächst ins Auge sprangen. Sie alle hatten Fieber, litten unter Appetitlosigkeit, allgemeiner Schwäche, Kopfschmerzen usw. Diese eindrucksvollen Symptome wurden aber kaum beachtet.
Statt dessen sollten sich die Studenten sehr viel weniger eindrucksvolle Symptome einprägen, mit deren Hilfe es möglich war, spezifische Krankheitszustände voneinander zu unterscheiden. Die Medizin, die gelehrt wurde, war eine Medizin der spezifischen Krankheiten; Dagegen wurde eine Medizin des sehr eindrucksvollen unspezifischen Krankseins vernachlässigt.(...)
Der Begriff Streß bedeutet mehr als keine spezifische Krankheit. Die Ursachen, die das Zustandsbild hervorrufen, sind ebenfalls unspezifisch. Da physikalisch-chemische Noxen, Viren, Bakterien, psychische Konflikte oder soziale Notlagen zu dem gleichen Zustandsbild führen, kann der auslösende Faktor nur etwas sein, das allen diesen spezifischen Krankheitsursachen gemeinsam ist, und das man als unspezifische Schädlichkeit oder als Unzuträglichkeit schlechthin bezeichnen könnte. Die speziellen Krankheiten: Masern, Scharlach, hoher Blutdruck, Magengeschwür, Depression usw. wären demnach nichts als Varianten oder verschiedene Ausprägungen (eben jenes allgemeinen Krankseins) und die spezifischen Ursachen physikalisch-chemischer, biologischer, psychischer oder sozialer Art nichts anderes als verschiedene Spielarten einer allgemeinen - für sie alle charakteristischen - Unzuträglichkeit.
(v.Uexküll, "Theorie der Humanmedizin", S.32, München 1988)  

3. Beispiele biopathischer Erkrankungen  

Im Modell der energetischen Medizin nach Reich kann man nun biopathische Prozesse in zwei Bereiche aufgliedern:  

Erstens: Erkrankungen, die durch Sympathikohypertonie bedingt sind (diese sind von Reich teilweise eingehend behandelt und beschrieben worden): 
 
An Herz- Kreislauferkrankungen leidende Patienten. Herz- Kreislauferkrankungen sind in der BRD seit Jahrzehnten die Haupttodesursache, die Ursache ist fast ausschließlich Bluthochdruck mit den Folgeerscheinungen Schlaganfall, Herzinfarkt und Nierenveränderungen. Über 80% der Bluthochdruckerkrankungen werden als "essentielle Hypertonie" diagnostiziert, bei der die Ursache der Erkrankung unbekannt ist. Das Bestehen einer essentiellen Hypertonie über Jahre hinweg führt zu Veränderungen im Gefäßsystem und an inneren Organen, die wiederum die Erkrankung verstärken.Nach Ermittlungen der American Heart Association leiden etwa 20% aller 20 - 80 jährigen Menschen an einem Bluthochdruck, in den USA befindet sich die essentielle Hypertonie mit den von ihr verursachten Komplikationen an erster Stelle der Todesursachen noch vor Malignomen und Unfällen zusammengenommen.
"Die Anlage zur essentiellen Hypertonie besteht in dem Unvermögen des Organismus, eintretende Störungen der Blutdrucklage ( wie z.B. durch Stress ) rasch zu überwinden. Halten solche Störungen länger an, stellen sich die kreislaufregulierenden Zentren auf eine überhöhte Regelgröße ein: aus dem labilen Hochdruck entwickelt sich ein stabiler Hochdruck."
( Herold, "Innere Medizin", Köln 1986 )  

In der inneren Medizin werden bisher unbekannte genetische Faktoren und Ernährungsgewohnheiten als verusachende Einflüsse diskutiert, insgesamt spricht man von einer "multifaktoriellen Ätiologie", d.h. die krankheitsauslösende Ursache ist unbekannt.

Bluthochdruck wird nach Reich als eine Erkrankung mit einem Überwiegen der sympathischen Aktivität, mithin als Kontraktionsbiopathie angesehen. Ausgangspunkt ist ein Überwiegen sympathischer Anspannung/Erregung mit ungenügender Anspannungs-/Erregungsabfuhr, in anderen Worten ein bioenergetischer Ladungsstau ohne die Möglichkeit bzw. Fähigkeit, diesen affektiv/ bioenergetisch zu entladen. Diesem Zustand entspricht ein Reaktionsmuster, was seit Cannon (1975) "emergency state" oder Bereitstellungsphase genannt wird, es geht mit gesteigertem Stoffwechsel, erhöhter Herzfrequenz und hohem Blutdruck einher. Die psychodynamische Entwicklung von Menschen mit essentieller Hypertonie wird nach zahlreichen, übereinstimmenden Untersuchungen entscheidend durch eine starke, fast zwangsneurotische Abwehr aggressiver Impulse geprägt. Diese gestaute Aggressivität, dieser sog. "gehemmte Protest" wird zumeist in sozial verträglicher Weise durch die Ausbildung eines besonders intensiven, stark kontrollierten Leistungswillens verarbeitet.
Es kommt zu einem Verlust des psycho- vegetativen Gleichgewichts, zur biopathischen Pulsationsstörung. Das Unvermögen zur Anspannungsabfuhr, zur bioenergetischen Entladung, vermindert die notwendige parasympathische Steuerung der Kreislaufaktivitäten und führt dadurch zu einer Kontraktion,, zu einer Engstellung der kleinen Blutgefäße der inneren Organe.
Es kommt zu einer Erhöhung des peripheren Gefäßwiderstandes, was zu einem Anstieg des diastolischen Blutdruckwertes führt.                

Bluthochdruck ist demnach eine sympathikotone Kontraktionserkrankung, die                                (1.) zu einer bleibenden Veränderung der                                                                Kreislaufregulation führt, und                             
                             (2.) organische                              
                                   Veränderungen induziert, die den Prozeß                                    weiter verstärken.                              
                                   Bioenergetische Kontraktion beginnt immer an der                                    Peripherie und bewegt sich zum biologischen Kern                                            hin. Es kommt zu einer chronischen                                    Sympathikusüberfunktion (Sympathikohypertonie) .  

Der biologische Kern des Organismus bleibt unangetastet, Affekte wie starke Wut- oder Angstreaktionen sind in der Therapie leicht auslösbar. "Bei den vaskulären Biopathien ( Herz- Kreislauferkrankungen ) bleibt die biophysikalische Erregung biologisch, physiologisch und emotionell dauernd lebendig. Mit anderen Worten, der Kern des Organismus, das vegetative Nervensystem, produziert weiter Energie.
Beim Krebs dagegen gibt der biologische Kern in der Energieentwicklung nach. Mit dieser Verminderung der Energieproduktion werden Emotionen und Erregungen mit der Zeit schwächer und schwächer.
Dadurch ist die Funktion des Energieumsatzes im Körper weit intensiver gestört als bei Störungen mit auffälligen Symptomen .(...) Ein Angst- oder Wutausbruch ist, funktionell gesehen, noch immer eine Energieentladung, wenn auch pathologischer Art. Dagegen habe ich nie Krebskranke mit emotionellen Wutausbrüchen, lärmenden Emotionen gesehen." (Reich, "Der Krebs", Frankfurt 1975)  

Das primäre Energiezentrum des Organismus, der biologische Kern ist demnach beim Hypertoniker unangetastet, die dort produzierte Energie aber kann nicht ausgedrückt, nicht entladen werden. Ein gutes Beispiel findet sich in dem von Thure v. Uexküll herausgegebenen Lehrbuch der Psychosomatischen Medizin: Es wird im Kapitel über Bluthochdruckerkrankungen ein in Israel lebender Patient vorgestellt, der an einer therapieresistenten schweren Hypertonie erkrankt war, die medikamentös nicht beeinflußbar war. 
Während seiner Einberufung zur Zeit des 6 - Tage - Krieges normalisierte sich der Blutdruck vollständig, um nach der Rückkehr ins Zivilleben wieder den vorherigen Schweregrad anzunehmen. Übereinstimmend wird von zahlreichen psychosomatisch orientierten Untersuchungen (Bach, Bastiaaans, Dunbar, Quint, Pflanz, Sroka, v. Uexküll, Wyss u.a.) die Unfähigkeit der Betroffenen beschrieben, aggressive Antriebe frei zum Ausdruck bringen zu können.
Weiterführend ist in diesem Zusammenhang ein Experiment von Sapira und Mitarbeitern zu nennen: Versuchspersonen mit Bluthochdruck und gesunden Kontrollpersonen wurde ein Film gezeigt, in dem im ersten Teil ein Arzt in seiner Sprechstunde einen Patienten mit hohem Blutdruck desinteressiert und in Eile  abfertigt und sich offensichtlich über die Therapieresistenz des Hochdrucks zu ärgern scheint. Im zweiten Teil des Films wird der Arzt mit dem gleichen Patienten gezeigt, wie er sich sehr entspannt und viel Zeit nehmend mit der Hypertonie unter Einbeziehung der Persönlichkeit des Kranken beschäftigt. In einer anschließenden Befragung nach dem Ende der Filmvorführung konnten die Versuchspersonen mit Bluthochdruck im Gegensatz zu den Kontrollpersonen keinen Unterschied in den beiden Teilen des Films beschreiben. Es scheint demnach nicht nur eine Hemmung aggressiver Impulse, sondern darüberhinaus auch eine Unterdrückung der Wahrnehmung zu Auseinandersetzung auffordernder Situationen vorhanden zu sein. (Uexküll,"Lehrbuch der psychosomatischen Medizin", S. 600, München 1991)

Weitere Erkrankungen, die durch Sympathikohypertonie mitbedingt sind:  

Schmerzzustände des Bewegungsapparates. Diese machen die meisten Formen von Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, von Schulter- Armbeschwerden, Kreuzschmerzen, sogenanntem "Hexenschuß" und Ischiasbeschwerden aus. Als Ursache dieser Schmerzzustände wird in der Mehrzahl der angeführten Beschwerdebilder eine mechanische Schädigung der Wirbelsäule genannt. Im Gegensatz zu dieser Auffassung stimmt das röntgenologisch dokumentierbare Ausmaß der Läsionen selten mit der Intensität der Beschwerden überein. Weiterhin ist jedem Arzt und jedem Betroffenen bekannt, daß derartige Schmerzzustände deutlichen Schwankungen unterliegen, plötzlich zunehmen und auch wieder verschwinden können, die Veränderungen an der Wirbelsäule jedoch fast immer konstant bleiben. Zahlreiche Untersuchungen und auch die vegetotherapeutischen Erfahrungen weisen darauf hin, daß neben einer mechanischen Ursache die Intensität oder das Aussetzen der oft unerträglichen Schmerzen durch psycho-vegetative Prozesse ursächlich mitbestimmt wird.
Die zeitweilige Auslösung der Schmerzen ist z.B. bei der Wirbelsäule oft auf eine affektive Tonuserhöhung der Muskulatur zurückzuführen. Vor allem aqggressive und retentive Impulse, ein Zuviel an nicht abführbarer, überschießender Anspannung/Kontraktion schlagen sich in einem affektiv/extrapyramidal erhöhtem Muskeltonus nieder und verfestigen den Rumpf im Rahmen einer instinktiven Anspannungsreaktion, die starke aggressive Impulse chronisch binden kann. Darüberhinaus wird in der psychosomatisch und bioenergetisch orientierten Medizin eine wesentliche Mitbedingtheit rheumatischer Erkrankungen durch chronisch erhöhte Anspannungszustände der quergestreiften Muskulatur angenommen. Dies wurde durch eletromyographische Untersuchungen untermauert: Patienten mit rheumatischen Erkrankungen zeigen stark erhöhte Muskelaktionsströme bei der Besprechung seelischer Konflikte verglichen mit nicht Erkrankten; weiter zeigt sich eine zeitliche Korrelation zwischen den erhöhten Meßwerten und der subjektiv geäußerten Intensivierung der Schmerzen. Die chronisch erhöhte Muskelspannung kann die chronisch werdende Gelenküberlastung, -erkrankung und -deformierung verursachen. In gleicher weise können chronische Anspannungszustände der Muskulatur zunächst im sinne einer Tendinosekrankheit periartikuläre Schwellungen als Vorstadien einer rheumatischen Arthritis verursachen.  

Bei den oben angeführten Erkrankungen ist die Pulsationsarbeit im Sinne von Entladungsarbeit indiziert, der Einsatz des Orgonakkumulators ist bis zum Einsetzen selbstregulierender Pulsationen im Organismus des Betroffenen nicht anzuraten.

Erkrankungen, die durch Parasympathikotonie mitbedingt sind: 

Als Ausgangszustand liegt hier ein Zuviel an psycho-vegetativer Anspannung unterschiedlichster Genese vor; auffallend ist in vielen Fällen ein "ängstlich getriebener" Ausdruck. Dieses Zuviel an innerer Anspannung, das keineswegs der äußeren Belastungssituation entsprechen muß, führt zu einem Anstau von Entspannungsimpulsen, die wenn der Organismus nach den Phasen gesteigerter Anspannung zur Ruhe kommt, in überschießender Form durchbrechen. Exemplarisch für durch überschießende parasympathische Expansionsimpulse mitbedingte Erkrankungen sei hier das endogene (d.h. nicht allergische) Asthma bronchiale, das die verbreiteste Form dieser Erkrankung der Atemwege darstellt, angeführt: Die wesentliche Funktionsstörung beim Asthma bronchiale liegt im Krampf der Bronchialmuskulatur, im sogenannten Bronchospasmus. Die Bronchialmuskulatur unterliegt einer vegetativen Steuerung: Sympathikusaktivität führt über die Erhöhung des cAMP-Spiegels in den Muskelzellen zu einer Erschlaffung der Bronchialmuskulatur. Parasympathische Aktivität führt über die Erhöhung des cGMP-Spiegels in den Muskelzellen zu einer Kontraktion der Bronchialmuskulatur. Ein zeitweiliges oder chronisches Übergewicht parasympathischer Impulse führt zu der Symptomatik des Bronchialkrampfes. Asthmatische Anfälle treten gehäuft nach Phasen erhöhter seelischer oder körperlicher Anspannung auf. Es kommt beim belastungsindizierten Asthma, dem sogenannten "exercice-induced-asthma", im allgemeinen nicht während der Anstrengung zur Entwicklung eines Bronchospasmus, sondern charakteristischerweise erst unmittelbar nach der Belastung, wenn den entspannenden parasympathischen Regulationsimpulsen dominant Raum gegeben wird. In gleicher Weise konzentriert sich die asthmatische Symptomatik im Tagesrhythmus bevorzugt auf die Abend- und Nachtstunden, die unter parasympathischer Tonusdomonanz stehen. Stimulatoren der parasympathischen Aktivität, wie die Menstruation, führen regelmäßig zur Aktivierung des Beschwerdebildes. In psychosomatischer und bioenergetischer Sichtweise findet man beim Asthmapatienten eine erhöhte innere Spannung, die in einer seelisch-körperlichen Anspannungssituation zu einem gesteigertem sympathischen Tonus führt. Dieses Zuviel an Anspannung wird beim Übergang zur Entspannung mit überschießender parasympathischer Aktivität gegenregulatorisch beantwortet. Nach vorrausgegangener Sensibilisierung der Bronchien führt die übersteigerte parasympathische Aktivität über den Anstieg des cGMP-Spiegels in der Bronchialmuskulatur zum Bronchialkrampf. Unter dem Begriff der durch überschießende parasympathische Impulse mitbedingten Erkrankungen können weiter subsummiert werden: Drehschwindelanfälle und Hörsturz, Kopfschmerzzustände, die mit Gefäßerweiterungen korreliert werden können, Verkrampfungs- und Schmerzzustände im Bereich der Gallenblase und ableitenden Gallenwege sowie zahlreiche allergische Reaktionszustände.  

In der energetischen Betrachtungsweise wird die Betonung weniger auf die analytische Beschreibung der Ausbildung der Erkrankung gelegt, als auf die Betrachtung und Erforschung, wie die erfahrenen Versagungen sich im Organismus in der aktuellen Situation zeigen, d.h. wie sie sich energetisch, besser: körperlich - evtl. segmental - niedergeschlagen haben und im Organismus ständig präsent sind. 
 
"Nicht das Bewußtwerden einer Vorstellung allein heilt, sondern die Umstellung im Erregungsablauf. Wir haben somit folgende Reihenfolge von Funktionen im  Verlauf der Wirkung eines psychischen Vorstellungskreises im körperlichen Bereiche:
a) Die psychische Erregung ist funktionell identisch mit der körperlichen Erregung.
b) Die Fixierung einer psychischen Erregung erfolgt durch Festsetzung eines bestimmten vegetativen Innervationszustandes.
c) Der veränderte vegetative Zustand verändert die Organfunktionen.
d) Die "psychische Bedeutung des organischen Symptoms" ist nichts anderes als die körperliche Haltung, in der sich der "psychische Sinn" ausdrückt. (Psychisches Verhaltensein äußert sich in vegetativer Verkrampftheit. Der psychische Haß drückt sich in einer bestimmten vegetativen Haßhaltuntg aus. Sie sind identisch und nicht voneinander zu trennen.)
e) Der fixierte vegetative Zustand wirkt auf den psychischen Zustand zurück; die Wahrnehmung einer realen Gefahr funktioniert identisch mit einer sympathikotonen Innervation; diese erhöht ihrerseits die Angst; die erhöhte Angst erfordert eine Panzerung, die gleichbedeutend ist  mit einer Bindung vegetativer Energie in der muskulären Panzerung. Dies stört wieder die Abfuhrmöglichkeiten und steigert die Spannung und so fort."
(Die Funktion des Orgasmus, S.302.)  

So ist bei Vorliegen einer Hypertonie den klinischen Erfahrungen Reichs zufolge besondere Aufmerksamkeit der plasmatischen Motilität des Brustsegments zu widmen. Für die zentrale Funktion der Atmung hat dieses Segment die bedeutendste Rolle in der Unterdrückung der Expiration, in dem Festhalten an einer chronisch gewordenen Inspirationshaltung, die das Fundament für die Kontraktion des Gesamtorganismus ausbildet. Die detaillierte Beschreibung der an der chronischen Inspirationshaltung beteiligten Muskelgruppen findet sich im Abschnitt über die Prozeßbeschreibung der orgonenergetischen Therapie im Anschluß an dieses Kapitel. Die mit dieser muskulären Anspannung einhergehenden, auf psychischem Gebiet funktionell identischen Charakterzüge, der "Ausdruck der Brustpanzerung", sind die der Selbstbeherrschung, des Nicht-Loslassen-Könnens, der Zurückhaltung, des An-Sich-Haltens, des Verhaltenseins. Decken sich diese Charakterzüge, die Reich bereits 1945 charakteristisch für Hochdruckpatienten bezeichnete, noch vollständig mit den jahrzehnte später formulierten empirischen Forschungen der medizinischen Psychosomatik, so ist in der energetischen Therapie im Gegensatz zur gesprächsorientierten Psychotherapie nicht die inhaltliche Bewußtbarmachung verdrängter aggressiver Tendenzen und deren analytische Bearbeitung der Endpunkt des therapeutischen Prozesses, sondern darüberhinaus die Erlebbarmachung der dahinterliegenden, abgewehrten Gefühle der Sehnsucht, des Schluchzens und des ausgreifenden Verlangens.
"Die Bewegungshemmung der inneren Brustorgane setzt sich gewöhnlich in eine Hemmung derjenigen Armbewegungen fort, die "Verlangen", "Umarmen" oder "Nach-Dingen-Langen" ausdrücken. Wohlgemerkt, diese Kranken sind nicht mechanisch gelähmt. Sie vermögen ihre Arme ausgezeichnet zu bewegen.
Sobald aber die Bewegung der Arme sich mit dem Bewegungsausdruck der Sehnsucht oder des Verlangens verknüft, setzt die Hemmung ein."
(Reich, Charakteranalyse, Köln 1970)      

Den Erfahrungen in der Behandlung nach Reich zufolge ist eine Beseitigung der Brustpanzerung, die als Grundlage der Entwicklung der meisten Hochdruckerkrankungen angesehen wird, oft nicht ohne Durchleben der tiefen Gefühle der brüllenden Wut, der Sehnsucht und des tiefen, sehnsuchtserfüllten Weinens und Schluchzens erreichbar. Nach Reich ist die Ausdrucksbewegung und das damit verbundene Erleben der Hingabe an die plasmatische Beweglichkeit des Brust- und des Halssegments gebunden, die chronische Kontraktion des Brustkorbes wird als "Zentralstück der muskulätren Panzerung" überhaupt angesehen. Die in frühkindlichen Erfahrungen wurzelnden, angenommenen Versagungen und Enttäuschungen durch die Eltern oder andere Erziehungspersonen sind somit in der Behandlung nach Reich nicht das Wesentliche in dem Mechanismus, der zur Atmungshemmung und zum "Festhalten" des Erwachsenen führte, ihre Wiedererinnerung ist nicht hinreichend; die Lösung der Kontraktion geht einher mit der Wiedererlangung des blockierten, versagten Ausdrucks, der im Leben des Erwachsenen nicht mehr empfindbar war. Um wiederum Reich in der Charakteranalyse zu zitieren: "... die Emotion des Bewegungsausdrucks genügt reichlich zum Begreifen des erlittenen Unglücks, und schließlich kommen die Erinnerungen selbst hoch, wenn man korrekt arbeitet . (...)
Es ist einzig und allein die biologische Ausdrucksbewegung, die imstande ist, den Panzerring zu lösen." Nur diese, und die damit verbundene Veränderung der Plasmamotilität, kann eine Wiederherstellung der urprünglichen Pulsation ermöglichen.

Aus dem vorangegangenen Passagen geht der Unterschied in der Ätiologie der geschilderten Erkrankungen hervor - die Konsequenzen für die therapeutische Beeinflussung von Bluthochdruck und Krebserkrankungen wurden von Reich im Gegensatz zu seinen klaren Beschreibungen der affektiven Unterschiede in den von ihm beschriebenen Patienten nicht mehr niedergeschrieben. Ich werde dies im Folgenden zu ergänzen versuchen und eine dritten Erkrankungsweg einführen: den der Blutkrebsarten (Leukämien), dessen energetische Komponente und Therapie sich nocheinmals von den beiden erstgenannten Erkrankungsformen unterscheidet. Wichtig ist noch einmal klar herauzuarbeiten, daß Reich mit sehr umfassenden, dadurch das diese grundlegende Phänomene unter dem Gesichtspunkt der Einheitlichkeit beschreiben sollten, Begriffen arbeitete. Dies führt den Leser seiner späteren Werke manchmal zu einer Konfusion, die er selbst nicht ausreichend bemerkt - mir ist es jedenfalls so ergangen.


Um Beispiele zu nennen :


Die von Reich entwickelte "Orgonomische Diagnostik der Krebsbiopathie" ist kein Krebsfrüherkennungstest, wie immer wieder in der Sekundärliteratur beschrieben, sondern ein Instrumentarium zur Bestimmung des bioenergetischen Zustandes des Organismus, ein Diagnoseverfahren zur Erkennung von Biopathien. Testet man diese Nativblutdiagnostik bei an Krebserkrankten Menschen, so findet man eindrucksvolle Übereinstimmungen zu den Beschreibungen Reichs, aber auch Krebsarten (Thymuscarcinom, malignes Melanom) wo die Aussagekraft der Diagnostik sehr gering ist. In der Verlaufskontrolle einer Behandlung erweist sie sich dagegen als von unschätzbaren Wert. Wichtig zu wissen ist, daß Reich überwiegend von Beobachtungen in der Blutdiagnostik im Verlauf der orgontherapeutischen Behandlung publiziert hat. Liest man nun sein Hauptwerk "Die Entdeckung des Orgons", Band II, "Der Krebs" (im Original: "The Cancer Biopathy") so bekommt man den Eindruck, die beschriebenen Charakterstrukturen und energetischen Zustände seien für an Krebs erkrankte Menschen typisch, dabei geht es Reich zentral - wie im Originaltitel vorhanden - um die Herausarbeitung einer gemeinsamem Grunderkrankung, die körperlichen und seelischen Sekundärerkrankungen zugrunde liegt, eben der Biopathie. Und er generalisiert: die geschilderten energetischen Verhältnisse von den verschiedenen Ladungszuständen von Kern und Peripherie gelten auch für zu Krebs neigende Menschen. Hier kommt also eine Differenzierung in sein Verständnis, die über seine Festellung " Wir wissen noch gar nichts darüber, welche Umstände die Entwicklung einer Biopathie in der einen oder anderen Richtung bestimmen." (a.a.o., S167) hinausweist.
In meiner Entwicklung der Arbeit mit körperlich erkrankten Menschen mehrten sich die Widersprüche zu meinem bisherigen Begreifen der Gedanken und Erfahrungen Reichs und wie oben erwähnt fand ich beim Wiedererarbeiten seiner Originalschriften immer wieder Beobachtungen, die meine Erfahrungen beschrieben und mir in der Differenzierung des theoretischen Konzepts weiterhalfen. Heute sehe ich drei energetische Grundtypen, die der gleichen Anzahl von Neigungen und Reaktionsweisen in Bezug auf verschiedene Krankheitsbildern entsprechen, die ich nun weiter darlegen werde:  

Erste Neigung : leukämischer Typ, gefährdet in der Ausbildung u. Entwicklung von lymphatischen und leukämischen Erkrankungen.(Typ 1)  

Zweite Neigung : autoimmunreaktiver Typ, gefährdet in der Ausbildung u. Entwicklung neurodermativer, asthmatischer und autoimmunreaktiver Erkrankungen.(Typ 2)  

Dritte Neigung : zu Krebserkrankungen neigender Typ, die Erkrankung tritt im höherem Alter (über fünfzig Jahre) auf (Typ 3); sonst überwiegend körperlich beschwerdefreier als Typ 1 u. 2.  

Eine Ausnahme von diesen drei Entwicklungslinien bildet der Energietyp des im jüngeren Alter an Krebs erkrankten Menschen, den ich zuletzt beschreiben werde.   Bei diesen Entwicklungsdispositiven handelt es sich meiner Erfahrung nach um Tendenzen, die in jedem Menschen in der jeweiligen Anlage vorhanden sind. Dies bedeutet nicht, daß jemand, der der leukämischen Struktur entspricht, an Blutkrebs erkranken muß, seine Gefährdung zur Entwicklung dieser Erkrankung ist allerdings deutlich größer als bei Typ 2 und 3. Nur die fortschreitende Bahnung der vorhandenen Entwicklungstendenz geht mit einer zunehmenden Gefährdung einher, Veränderungen der energetisch/vegetativen Reaktionsmuster bei Typ 1 z.B. in Richtung zu Typ 2 können selbst bei vorliegender Leukämie eine tiefgreifendse Veränderung der Spannungs-/Ladungsprozesse im Organismus herbeiführen, die selbst einen fortgeschrittenen Blutkrebs ausheilen lassen. Es geht also bei der Einteilung nicht um eine als gesünder oder kränker zu bewertende Einteilung von organismusspezifischen Reaktionsmustern, allein das Fortschreiten und Bahnen eines bestimmten energetischen Reaktionsablaufes geht einher mit zunehmender Gefährdung. Als theoretisches Modell für das Verständnis dieser sich herausbildenden Reaktionsformen eignet sich gut das Modell der Entwicklungsbahnen, das der Biologe C.H. Waddington vorgeschlage hat. In diesem Rahmen wird die menschliche Persönlichkeit als eine Struktur aufgefaßt, die sich unablässig entlang der einen oder anderen aus mehreren möglichen und voneinander abgegrenzten Bahnen entwickelt. Alle diese Bahnen liegen an ihrem Ausgangspunkt nahe beieinander, so daß das Individuum bei der Empfängnis Zugang zu einer Vielzahl von Bahnen hat und sich auf irgendeine davon begeben kann. Die ausgewählte Bahn führt auf jedem Entwicklungsschritt zu einer Interaktion zwischen dem Organismus, wie er sich bis zu diesem Zeitpunkt entwickelt hat, und der Umgebung, in der er sich vorfindet. So führt die Entwicklung bei der Empfängnis zu einer Interaktion zwischen dem Genom und der intrauterinen Umwelt; bei der Geburt führt sie zu einer Interaktion zwischen der energetischen und biologischen Konstitution des Neugeborenen, einschließlich seiner beginnenden mentalen Struktur, und der Familie oder andersartigen Situation, in die es hineingeboren wurde; und in jeder weiteren Altersstufe zu einer Interaktion zwischen den dann vorhandenen Persönlichkeitsstrukturen und der sozialen und/oder familiären Umwelt. Bei der Empfängnis ist die Gesamtheit aller Bahnen, die dem Individuum potentiell offenstehen, von der Beschaffenheit des Genoms und sicherlich auch von bisher nicht in wissenschaftlicher Form diskutierbarer Einflußfaktoren abhängig.

Der italienische Reich-Therapeut Francesco Dragotto ging z.B. nach über fünfzehn Jahren der Arbeit mit dem charakteranalytischen Modell der frühen Vegetotherapie nach Rakness und Navarro vollständig dazu über, die energetische Identität des menschlichen Organismus als untrennbar verbunden mit dem Zustand des Einsseins, Vollständigseins und Unabhängigseins , den die befruchtete Eizelle während ihrer Wanderung von dem Eierstock über die Eileiter bis zur Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut verkörpert, zu interpretieren. Dieser therapeutische Ansatz führt zu radikalen Konsequenzen und Veränderungen in der Zielsetzung der Therapie - nicht das Wiedererleben und Durchqueren von Geburtstraumen  oder Störungen der angenommenen intrauterinen Identität oder zumindestens Verbindung von Mutter und Fötus sind das letzte Ziel der Erfahrung der Ganzheitlichkeit des gewordenenen  menschlichen Organismus, sondern die  fundamentale Erfahrung des Hier-Seins, des Geworden-Seins wird auf Vollständigkeit, Unabhängigkeit, completeness gegründet. Ähnlich formuliert Will Davis: "Die erste Beziehung, die wir haben, ist nicht, wie üblicherweise gedacht wird, die mit der Mutter. Deswegen arbeiten wir inner-psychisch. Die erste Beziehung ist die mit uns selbst. In der Gebärmutter und während der ersten paar Monate des Lebens, wenn der Organismus in einem undifferenzierten Zustand ist, kennt er nur sich selbst. Er ist sich nur der Erfahrung seiner selbst bewußt. Er differenziert nicht zwischen sich selbst und dem Rest der Welt, ein omnipotenter Zustand." (Will Davis, Points and positions, Berlin 1994.)        

Wenn die Entwicklung fortschreitet und die Strukturen sich immer weiter differenzieren, dann vermindert sich die Anzahl der zugänglichen Bahnen: Eine der psychologisch - biologisch wichtigen Variablen ist die Art und Weise, wie das sich entwickelnde Individuum Bindungsverhalten erfährt, intern repräsentiert und später selbstorganisiert. Physikalische Einflußfaktoren, wie die Einwirkung von Umweltgiften, radioaktiver Niedrigstrahlung, Reizüberflutung durch technische Gegebenheiten der frühen und späteren Umgebung, bedingen ebenfalls die Bifurkationen der Entwicklungslinien, damit beschäftigen sich in unserer Zeit die fortgeschrittensten Untergebiete der Psychologie und Medizin.                           
Die Kenntnis der verschiedenen energetischen Typen hat grundlegende Konsequenzen für eine Arbeit mit dem menschlichen Energiesystem: denn es kann eine gutgemeinte, durchweg als erfolgreich erscheinende charakteranalytische, bioenergetische oder neoreichianische Behandlung bei den Reaktionstypen 1 u. 3 den Entwicklungsgrad des energetischen/autonomen Reaktionsmusters weiter ausprägen und in der Entwicklung einer schweren körperlichen Erkrankung sogar beschleunigend wirken.  

Das vegetative Nervensystem bildet die von uns noch medizinisch beschreibbare Mittlerfunktion zwischen den energetischen Pulsationswellen und den erfahrbaren körperlichen und seelischen Erfahrungsprozessen. Das Vegetativum ist lokalisiert im Zentralnervensystem und in der somatischen Peripherie des Körpers.
Im Zentralnervensystem liegen die vegetativen Nervengeflechte (Ganglia) in der grauen Substanz um den Zentralkanal, ausgehend vom dritten Ventrikel bis zum Ende des Rückenmarks. Mehrere der Gehirnnerven beinhalten starke vegetative Innervationen: der N. oculomotorius, der die motorische und vegetative Versorgung des Auges bereitstellt, der N. facialis, der über die Chorda tympani die Speichel- und Tränendrüsen und die Durchblutung des Gesichts versorgt, der N. glossopharyngeus, der u.a. die Parotisdrüse innerviert. Am bedeutendsten sind jedoch die Ausgangsgebiete des zehnten Gehirnnervs, des N. vagus, der fast den gesamten Körper durchzieht. Er ist der bedeutendste Nerv des parasympathischen Systems. Auf seinem Weg vom Kopf, den Hals entlang, durch die Brusthöhle in den Bauchbereich versorgt er fast alle lebenswichtigen Organe. Durch seine Ausbreitung vom Kopf bis zum Dickdarm überbrückt er die Lücke, die im Zentralnervensystem zwischen den kranialautonomen und sakralautonomen Zentren zu bestehen scheint. Seinem Verbreitungsgebiet entsprechend enthält er mehrere Fasergruppen: somatomotorische für die quergestreiften Muskeln des Gaumens, des Schlundes, des Kehlkopfes und der Speiseröhre, visceromotorische Fasern für die glatten Muskeln des Eingeweidetraktes von der Speiseröhre bis zum Dickdarm, sekretorische Fasern für die Drüsen des Atmungs- und Verdauungstraktes, Hemmungsfasern für das Herz, Gefäßnerven und sensible Fasern vom äußeren Ohr, Atmungstrakt, vom Herz und den Verdauungsorganen.  

Der Grenzstrang, Truncus sympathikus, bildet eine Nervengeflechtskette, die von der Schädelbasis bis zur Steißbeinspitze reicht und besteht aus rundlichen Ganglien, die durch Strangteile (Fasciculi interganglionares) verbunden sind. Verbindungsstränge ziehen zum Rückenmark, in dessen thorakalumbalem Gebiet die Ursprungsgebiete des Sympathikus liegen. Die oberen Anteile des Grenzstranges formen die sympathische Versorgung des Kopfes, die unteren Anteile entsenden Fasern bis zu den Organen des Beckens.
Das periphere sympathische System gliedert sich über den Grenzstrang hinaus in die großen vor der Wirbelsäule liegenden Ganglien, weithin verstreut liegenden Zwischengeflechten, in der Musklulatur liegenden Ganglien und dem ungeheurem Netz von vegetativen Fasern die von den Ganglien zu den Erfolgsorganen ziehen. In den vor der Wirbelsäule liegenden und den intramuskulären Geflechtekommt es zu einer Vermischung mit parasympathischen Fasern, so daß eine Trennung und Unterscheidung nicht mehr möglich ist und die Erregungsausbreitung ein funktionelles Ganzes bildet.              

Die Zona intermedia, d.h. der sakrale Parasympathikus, liegt am Endes des Rückenmarks und sendet  Fasern über den Plexus pudendus und die Nervi pelvici zu den  Nervengeflechten des kleinen Beckens, die die Geschlechtsorgane, die Prostata, die Harnblase, und die unteren Darmabschnitte versorgen.           

Das vegetative Nervensystem unterscheidet sich von anderen nervalen Strukturen durch die Tatsache, daß es an der letzten Erregungsübertragungsstelle zu den Erfolgsorganen (Drüsen-, Fett-, Bindegewebszellen, die gesamte glatte Muskulatur, etc.) keine echten Synapsen bildet, sondern Überträgerstoffe wie Acetylcholin und Noradrenalin ausa den in den Nervenendigungen befindlichen Vesikeln in den Raum zwischen den Organzellen entleert und so deren Tätigkeit in Gang setzt.

Arbeit an der Pulsation verändert die Energetik, Biophysik und Biochemie des gesamten Organismus. Wir haben es mit den Reaktionen  des Vegetativums zu tun und damit, wie sich diese Veränderungen mit den physischen Wahrnehmungen verbinden. Das autonome Nervensystem werde ich im Folgenden als morphologisch erfassbaren Mittler zwischen der sich der unmittelbaren Wahrnehmung entziehenden Orgonenergie und ihren physischen Manifestationen (Knochen, Muskeln, Geweben und Blut) betrachten.
Das Vegetativum, daß ich als ein neurohumorales Überträgersystem betrachten, spiegelt die energetischen Vorgänge in das physische Sein des Organismus. Der sympathische Zweig des autonomen Nervensystems hängt mehr mit den verschiedenen Erfahrungen und Ausdruckformen von Spannung zusammen. Wenn der Sympathikus übermäßig stimuliert wird, schließt sich der Körper als Ganzes ab und baut Widerstand auf. Dies ist aber nicht die Art von Widerstand, die der Abwehr von Krankheiten dient - es ist viel mehr der Widerstand gegenüber Veränderung und Anpassung, der Krankheit schafft. Wirkliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten ist die Fähigkeit des milieu interne, sich an die Einflüsse äußerer Veränderung anzupassen.
Dies ermöglicht dem Körper, innerhalb der Gleichgewichtsparameter zu bleiben, die dem Organismus eingegeben sind. Der Parasympathikus korreliert eher mit Entspannung. Beim Entspannen öffnet sich der Organismus und läßt Energie zirkulieren, die Adaptionen und Korrekturen ermöglicht und fördert.
Ich werde bei den Energiemodellen darauf näher eingehen. Im Konzept der chinesischen Medizin zum Beispiel empfängt der Parasympathikus mehr von der nach unten und innen gerichteten Himmelskraft. Er erzeugt dann die entgegengesetzte Wirkung, indem er den Körper sich öffnen und entspannen läßt. Der Sympathikus dagegen empfängt mehr von der nach oben und außen gerichteten Erdenkraft und läßt daher den Körper sich verspannen und verschließen. Parasympathische Nerven strahlen vom Kopf nach unten und vom Kreuzbein nach oben aus und ahmen den Nord- und Südpol der Erde nach, wo die Yang - Kraft hauptsächlich in unsere Atmosphäre eintritt.
Der Sympathikus verzweigt sich vom Grenzstrang longitudinal entlang der Wirbelsäule. Er repräsentiert den Äquator, wo die meiste Yin - Kraft der Erde erzeugt wird. Im Idealfall wirken beide Zweige des autonomen Nervensystems so zusammen, daß sich eine Ausbalancierung im Körper ergibt. Je nach Funktionsnotwendigkeit - äußeren/inneren Einflüssen - beschleunigen die energetischen Ladungen des Körpers die Aktivität eines der Zweige, so daß ein ungleichgewichtiger Funktionszustand resultiert. Im allgemeinen erzeugen einseitige oder chronische Extreme zunächst einen chronisch überlagerten Sympathikus mit den korrelierten Symptomen. Wenn dieser Zustand langfristig anhält, adaptiert sich der Organismus zunächst an die chronische Sympathikotohypertonie. Der Parasympathikus hat ein leichtes Übergewicht, solange die Zustände innerhalb der normalen Schwankungsbreite bleiben. Im gesunden Organismus kann insgesamt gesehen der Parasympathikus ständig etwas mehr aktiviert sein, sowie der Körper auch ständig einen leicht alkalischen Zustand des Blutes aufrecht erhalten kann.  

Im folgenden unterscheide ich in Bezug auf den Gesamtorganismus drei Schichten voneinander, denen für die energetische Ladungsverteilung im menschlichem Körper eine große Bedeutung zukommt: Kern / Zentrum, mittlere Schicht und Peripherie. Grundlegend für diese Unterteilung sind die experimentellen Untersuchungen Reichs an der Universität Kopenhagen in den dreissiger Jahren dieses Jahrhunderts, aus deren späterer Zusammenfassung im Jahre 1942 ich hier zitiere:
"Der überlieferten Anschauung zufolge müßte sich die bioelektrische Energie in den Bahnen der Nervenfasern bewegen;  dabei ist angenommen, daß diese Nervenfasern nicht kontraktil sind. Dagegen machen bisher alle Beobachtungen die Annahme notwendig, daß das synzytische Lebensnerven-Geflecht selbst kontraktil ist, sich strecken und zusammenziehen kann. Dieser Annahme zufolge lebt die Amöbe im Tier und im Menschen in Gestalt des kontraktilen autonomen Nervensystems fort. Diese Vermutung bestätigte sich mikroskopisch: Man kann expansive und kontraktile Bewegungen an kleinen lichtdurchlässigen Würmern mikroskopisch gut beobachten. Diese Bewegungen des autonomen Lebensapparates erfolgen unabhängig von der Bewegung des Gesamtkörpers und gehen ihm voraus.
Läßt man Versuchspersonen tief einatmen oder wie zum Stuhl pressen und hält man dabei die Differentialelektrode oberhalb des Nabels an die Mitte der Bauchhaut, so sinkt das Oberflächenpotential bei der Einatmung mehr oder minder stark ab und steigt bei der Ausatmung wieder an. Das Ergebnis blieb bei einer großen Reihe von Versuchspersonen stets dasselbe, mit Ausnahme solcher Personen, bei denen eine starke Affektsperre oder eine überragende muskuläre Rigidität bestand. Diese Tatsache verdichtete sich mit der klinischen Beobachtung der Herabsetzung der Affekte durch die Inspiration zu folgender Annahme:
Beim Einatmen geht das Zwerchfell hinunter und übt einen Druck auf die Bauchorgane aus; es verengt den Bauchraum. Beim Ausatmen dagegen rückt das Zwerchfell hoch, der Druck auf die Bauchorgane vermindert sich; der Bauchraum wird erweitert. Brust- und Bauchraum sind bei der Atmung abwechselnd der Weitung beziehungsweise der Verengung unterworfen, ein Tatbestand, der an anderer Stelle gewürdigt werden sollen. Da Druck das Potentialregelmäßig erniedrigt, hat das Absinken des Hautpotentials bei der Einatmung nichts Besonderes an sich. Merkwürdig ist nur, daß das Potential absinkt, obgleich der Druck nicht an der Hautoberfläche, sondern im Zentrum des Organismus ausgeübt wird.
Das Erscheinen des inneren Drucks an der Bauchhaut läßt sich nur dadurch erklären, daß zwischen Zentrum und Peripherie ein kontinuierliches bioelektrisches Erregungsfeld besteht. Die Übermittlung der Bio-energie kann nicht an die Nervenbahnen allein gebunden sein, sondern sie folgt sämtlichen Membranen und Flüssigkeiten des Organismus.
(Reich, "Die Funktion des Orgasmus", S.322ff, Köln 1971)  

Als Kern bezeichne ich mit Reich den vegetativen Ganglienapparat des menschlichen Organismus, insbesondere das Ganglion coeliacum (Sonnengeflecht) und die paarig angelegten Bauch- und Beckenganglien, welche meiner Ansicht nach die Übermittlungsstrukturen für körpereigene vegetative Reaktionen darstellen, die wiederum als Ausdruck energetischer Funktionen und Schwingungen der kosmischen, primordialen Orgonenergie in der begrenzten, membranumspannten Struktur uns bekannter biologischer Lebensformen anzusehen sind.
Als Peripherie bezeichne ich die quergestreifte Muskulatur, das Fett- und Bindegewebe der menschlichen Haut, die Extremitäten sowie alle nicht zum Zentralnervensystem zuzuordnenden Strukturen im Kopfbereich. Als mittlere Struktur bezeichne ich das System der Grundregulation im menschlichem Rumpfbereich, gleichfalls die glatte, autonom innervierte Muskulatur insbesondere des Darmtraktes und des Herzens sowie das menschliche Blutgefäßsystem.
Den Begriff Tonus verwende ich zur Bezeichnung der extrapyramidal über das Gamma-Neuron-System verlaufenden Funktionsmechanismen, durch die seelisch-geistiges körperlich-energetisches Geschehen verkörpert im Ausdruck erscheint.

Des Weiteren betrachte ich den menschlichen Organismus als System, darunter definiere ich jede Ausformung von Ereignissen, deren Gesamtheit sich einfacher als Ganzes denn als Summe ihrer Teile verstehen läßt.  

Die Behandlung durch Beeinflussung des menschlichen Plasmasystems zur Ermöglichung autonomer, selbstregulativer Pulsationswellen läßt sich in vier Schritte aufgliedern:

1. Mobilisierung der Pulsation zwischen biologischen Kern und Peripherie durch Spannungs - Ladungsreaktionen unter Verwendung von Streßpositionen und vertiefter Atmung; charge - und discharge Arbeit. Methoden, die auch von der Bioenergetik, Core-Arbeit, der Radix-Gefühlserziehung und der taoistischen Medizin beschrieben werden, finden hier ihre Anwendung.
2. Kanalisierung des Energieflusses durch die Segmente entlang der großen Bahnen des fötalen Kreislaufs: dorsal und ventral zunächst in cranialer Richtung. verbindung der Bahnen zum Energiefluß im lebenden Orgonom
(s. Reich, "Cosmic Superimposition")
Verwendung der plantaren und palmaren Hauptpunkte zur Freilegung der Extremitätenbahnen, der lumbalen, thorakalen und sternalen Druckpunkte zur Bahnung des Diener- und Lenkergefässes; Pulsations - und Schwingungsarbeit. Methoden, die von Wilhelm, Jung, Blofeld, Chia und Brennan ausführlich in westlicher Terminologie dargestellt wurden, können hier zur theoretischen Annäherung dienen.
3. Sensomotorische Bahnung durch butterfly - Berührungen in den Kopfbereich über Nasen- und Stirnzonen ohne Verwendung vertiefter Atmung; Ladungsverteilungsarbeit an der Peripherie. Beobachtungen und Erfahrungen mit den Methoden Mesmers und Puysegeurs sowie Erlebnisse in der Tiefenstufe der osteocraniosacralen Therapie nach Allen (Larynx- und Pharynxdruckpunkte) können am besten einen hinweisenden Erfahrungshintergrund ermöglichen.
4. ASW - Induktionsarbeit: Arbeit mit feinsten Berührungen und intentionalen Feldern am Wundernetz der energetischen Bahnen innerhalb und ausserhalb des menschlichen Körpers; Kesdschan - Körpererfahrungsarbeit. Erfahrungren der movements, insbesondere des "crane-walks" und des "circle-dance", nach Gurdjieff und Wahrnehmungsschulung nach de Ropp vermögen bleibende Eindrücke nach langer, präziser Übung und kontinuierlicher Praxis ermöglichen. Der vierte Schritt ist nur nach Herstellung der Vielfalt fein schwingender autonomer Bewegungsimpulse im Organismus sinngebend, da das plasmatische System auf einem sehr dichten und niederfrequenten Schwingungsniveau verbleiben muß, um sicher metanormale Erfahrungen (s.u.) erleben und integrieren zu können. In diesen vier Schritten verändern sich Filter der Wahrnehmung, des Ausdrucks und der möglichen Resonanz mit anderen Seins- und Erfahrungsebenen. "Das Phänomen, daß Lebenserscheinungen sich durch Senken oder Erhöhen  der Reizschwelle mit Faktoren ihrer Umgebung abstimmen oder nicht abstimmen, bedeutet nichts anderes, als daß die Lebenserscheinungen sich auf diese Weise ihre Ursachen selbst zuordnen."
(v. Uexküll, "Theorie der Humanmedizin", S.52)  

Als metanormale Wahrnehmungen bezeichne ich nach Murphy folgende Seinserfahrungen, die teilweise in - oder im zeitlichen Zusammenhang mit dem Erreichen - der fortgeschrittenen Phase der plasmatischen Pulsationsarbeit nach Reich spontan von den Behandelten erlebt werden:  
"1. Außergewöhnliche Formen der Wahrnehmung von Dingen, die sich außerhalb des Organismus befinden. Dies bedeutet das Erkennen einer numinösen Schönheit in vertrauten Gegenständen, bewußtes Hellsehen und den Kontakt mit Wesenheiten oder Ereignissen, die dem normalen Sinn nicht zugänglich sind.
2. Formen außergewöhnlicher somatischer Bewußtheit und Autoregulation. Außergewöhnliche Formen des Kommunizierens, einschließlich der Übertragung von Gedanken, Willenskraft und ekstatischen Zuständen durch etwas außerhalb des Körpers.
3. Ein Überfluß an vitalen Kräften, der sich nur unzureichend durch gewöhnliche körperliche Vorgänge erklären läßt.
4. Außergewöhnliche Formen der Bewegung.
5. Außergewöhnliche Fähigkeiten, auf die Umgebung einzuwirken, einschließlich ungewöhnlich manuell-visueller Koordination und der Fähigkeit, auf Dinge aus der Ferne ohne direkte physikalische Einwirkung Einfluß zu nehmen, wie etwa beim Geistheilen.
6. Eine Seins-Seligkeit, die nicht wie gewöhnliches Vergnügen von der Befriedigung der Umstände oder Begierden  abhängig ist und bei Krankheit und unter schwierigen Umständen weiterbesteht,
7. Überragende geistige Fähigkeiten, durch die große künstlerische und andere Werke tout ensemble, in ihrer Ganzheit, erfaßt werden; und das allumfassende Wissen mystischer Erfahrung, deas sich radikal vom normalen Denken unterscheidet und das beispielweise Platon, Plotin und andere neuplatonische Philosophen, die Verfasser der Upanischaden und andere indische Seher, christliche Mystiker und zahlreiche Weise der kabbalistischen, chassidischen, taoistischen und Sufi-Traditionen beschrieben haben.
8. Eine über das normale Maß hinausgehende Willenskraft, die verschiedene Triebkräfte vereinigt und so zu außergewöhnlichem Handeln befähigt.
9. Eine Personalität, die gleichzeitig die eigene, normale Selbstwahrnehmung transzendiert und erfüllt, während sie sich ihres fundamentalen Einssein mit anderen bewußt ist; und eine, auf den oben angeführten, außergewöhnlichen Fähigkeiten begründete Individualität.
10. Liebe, die gewöhnliche Bedürfnisse transzendiert und das fundamentale Einssein mit anderen offenbart.
11. Veränderungen der Vorgänge, Zustände und Strukturen des Körpers, die die genannten Erfahrungen und Fähigkeiten untetrstützen."
(Murphy, The future of the body, Los Angeles 1992.)

Bereits im Jahre 1944 formuliert Reich in Bezug auf die Behandlung psychischer Störungen und Erkrankungen:
"Der effektivste therapeutische Ansatz bei jeglichem emotionalen (d.h. biophysischem) Leiden ist, wenn überhaupt möglich oder angebracht, der Entzug von Bioenergie aus den biopathischen Symptomen. Es ist unnötig oder sogar schädlich, allen Details der zahllosen pathologischen Verzweigungen nachzugehen, um psychoneurotische oder psychotische Symptome zu zerstören; statt dessen führt die Öffnung des Kerns des Biosystems und die Etablierung einer ausgewogenen Energieökonomie automatisch zum Verschwinden der Symptome, da diese, energetisch gesehen, das Ergebnis eines in Unordnung geratenen Energiestoffwechsels im Biosystem sind."
(Reich, "Charakteranalyse, S.403, Köln 1970)
Die folgende Beschreibung wird dieses um den Bereich körperlicher Erkrankungen erweitern und um die Funktion der Ladungshaltekapazität, der in diesem Feld der Behandlung eine zentrale Rolle zufällt, ergänzen.     

Die Pulsationsbehandlung der energetischen Medizin nach Reich legt zu Beginn der Behandlung im screening, d.h. in dem vorsichtigem, zunächst unvollständigen Erfassen der energetischen Struktur des Patienten durch Mobilisierung der körpereigenen Energieströme folgende Reaktionsweisen offen, die eine zentrale Bedeutung für die verantwortliche Behandlung des Organismus mit sich bringen:  

Reaktionsweise 1 :  

Kennzeichnend für diese energetische Struktur ist eine hohe, von den Betroffenen oft als "eingekapselt" empfundene Ladung im Kern, die keine Verbindung zur organismischen mittleren Struktur oder sogar der Peripherie hat. Häufig wird die Empfindung einer nicht vorhandenen Begrenzung nach außen durch die Ausbildung trainierter Muskulatur überdeckt. Vegetative Beweglichkeit ist in der Peripherie kaum vorhanden, man bekommt einen "kalten", nicht gefüllten Eindruck bei der Betrachtung und Erfühlung der Haut und Bindegewebe. Einer meiner an Blutkrebs erkrankten Patienten beschrieb sehr anschaulich, wie er im Verlauf der Behandlung mit einem "glühenden Vulkan" in seinem Innern, der bis dahin völlig abgetrennt von seinen Empfindungen tief in seinem Körper verborgen war, in Kontakt kam. Menschen mit diesem Reaktionstypus haben große Schwierigkeiten, die Arbeit mit der Spannungs-/ Ladungsfunktion - z.B. in Streßpositionen - zu tolerieren. Es kommt zu Wadenkrämpfen, Rückenschmerzen, unerträglichen Druckzuständen im Kopfbereich, aber nur geringen Vibrationen im Bereich der Extremitäten und sonstigen peripheren Strukturen. Die Ladung der peripheren Strukturen selbst in Streßpostionen und vertiefter Atmung reicht zum Hervorbringen von Faszikulationen oder pulsatorischen Schwingungen nicht aus - je weiter die leukämische Struktur fortgeschritten ist, umso mehr ist eine konsequente discharge - Arbeit im Stehen unter Ermöglichung von Vibrationen zunächst in der unteren Extremität und zunehmender Kanalisierung über die große longitudinale dorsale Bahn in die obere Extremität angezeigt. Dieser Prozeß geht mit verstärkten Ausscheidungsfunktionen über die Haut, die Harnblase und den Darm einher. Starke Durchfälle mit Schleimbeimengungen, Gesichtsakne und ungewöhnliche Urinfärbungen sind bei der fortgeschrittenen leukämischen Reaktionsstruktur in den ersten 3 - 5 Monaten der Therapie zu beobachten; die Detoxifizierungsreaktionen des Organismus verlaufen wie lehrbuchhaft in den von der naturheilkundlichen Medizin beschriebenen Verlaufsformen. Entstehen die ersten Faszikulationen im Bereich der unteren Extremität, kommt es zu abrupten, mächtigen Ausschlägen des Beckensegments, die unbedingt durch den Behandelnden unterbrochen werden müssen. Diese gebrochenen, konvulsionsähnlichen Vor- und Rückwärtsbewegungen Stellen ein Ausweichen vor dem Höhertreten der Energie durch die dorsale longitudinale Bahn dar - werden sie durch einen den ganzen Körpereinsatz erfordernden Blockierungssgriff an den Beckenschaufeln unterdrückt, kommt es zur Ausbreitung der Faszikulation entlang der Wirbelsäule. 
Unter Verwendung der lumbalen und thorakalen Druckpunkte wird in einem Monate erfordernden Prozeß die Kanalisierung in die obere Extremität ermöglicht.
Zu diesem Zeitpunkt muß besondere Aufmerksamkeit auf den Kopfbereich des Patienten gerichtet werden.                                                                                                             Der Unterkiefer soll nun geöffnet bleiben und die Augen müssen unter allen Umständen ebenfalls offen bleiben. Ab dem Zeitpunkt der Entstehung starker Faszikulationen in den Armen kommt es durch Druck auf das Sternoclavikulargelenk sowie dem beidseits des Sternums gelegenem Raum zwischen dem Ansatz der ersten und zweiten Rippe zur Ausbreitung der mobilisierten Energie über den ventral aufsteigenden Kanal. Druck auf den caudalen Ansatz des M. sternocleidomastoideus verstärkt den Energiefluß zum Platysma. 
-Während die o.g. Arbeit als Vitalisierungs- und Unterbrechungstechnik bei allen energetischen Typen im Rahmen der Gesamtbehandlung von großer Bedeutung ist, wird bei Vorliegen einer lymphatischen oder leukämischen Erkrankung im ersten Behandlungsjahr ausschließlich in der Spannungs-/Ladungsarbeit diese Position benutzt. Jeder Wechsel in eine andere Position unter Anspannung der quergestreiften Muskulatur und vertiefter Atmung geht mit großer Gefährdung für den Patienten einher; selbst nach nur einmaliger Arbeit in der Rückenlageposition kann es Monate dauern, bis der damit einhergehende erneute Anstieg z.B. der Leukozyten wieder durch die Arbeit in der stehenden Position wieder aufgefangen werden kann. Nur nach erreichter Faszikulation der gesamten Extremitätenmuskulatur wird in Bauchlage und völliger Entspannung des Patienten über Fuß-, Hand- und Wirbelsäulendruckpunkte ein Hin- und Herfließen der mobilisierten Energie sichergestellt. Beim nicht im leukämischen Reaktionstyp weit fortgeschrittenem Organismus entsteht nach Ausbreitung der Faszikulationen in die obere Extremität und dieKopfsegmente eine harmonische und gleichzeitig sehr kraftvolle Ganzkörperschwingung, die vom Bauch- und Beckensegment ausgehend, die gesamte organismische Peripherie durchdringt und in den Händen zu einem feinen Entladungszittern/ Flirren führt. Vom biologischen Kern hin zur Peripherie laufen nun Ladungs- und Entladungswellen, die z.B. in den Augen zu einer hohen energetischen Intensität führen. Um dies vollständig zu erreichen, ist oft eine Arbeit in einer andersartigen stehenden Position notwendig: der Patient hält sich in einem siebzig Gradwinkel mit über den Kopf erhobenen Armen mit der Körpervorderseite hin zur Wand; die Füße halten einen entsprechenden Abstand von der vertikalen Fläche, die Knie sind gebeugt und der Kopf zurückgeneigt. In dieser Position kann die Ausbreitung des Energieflusses vom Plexus coeliacus über das Zwerchfell und die Speiseröhre zunächst zu Würge- und Hustenimpulsen führen, ddie dann zu ermöglichende Kanalisierung der Energie über den Hals, Unter- und Oberkiefer und den M. temporalis bis zum Schädeldach kann bei geöffneten Augen sehr koordiniert und sicher erfolgen. Nach Erreichen der Ganzkörperschwingung beginnt nun - wie erwähnt ausschließlich beim nicht an Leukämie Erkrankten - die Arbeit in der klassischen Rückenposition wie beim Reaktionstyp 2. 

Reaktionsweise 2 :  

Es handelt sich hier um den zu allergischen, im fortgeschrittenem Stadium zu autoimmunreaktiven Krankheitsbildern neigenden Organismus. Kennzeichnend für diese Struktur ist ein Energiestau im Kernbereich, der sich in überschießenden Entladungsreaktionen an Strukturen der mittleren Schicht und/oder der Peripherie ausdrückt. Als sich aus dieser Konstellation entwickelnden Erkrankungen sind Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Asthma bronchiale zu benennen. Das jeweilige Erfolgsorgan für die resultierende Symptomatik kann durch individualhistorische oder auch toxische Einflußfaktoren bei Vorliegen der gleichen biopathischen Struktur völlig verschieden sein. Es handelt sich überwiegend um durch überschießende parasympathische Impulse hervorgerufene Prozesse. Der grundlegende biopathische Mechanismus ist hierbei eine chronische Sympathikohypertonie, die dem Betroffenen und dem nicht geschulten Behandler aber nicht auffallend erscheinen muß. Das in der psychosomatischen Literatur so benannte ängstliche Getriebensein ist oft von einer äußerlich gut  beherrschten Fassade verdeckt, lediglich die chronisch erweiterten Pupillen können auf eine Sympathikotonie hinweisen.
Die ständige innere Anspannung führt zu einem Anstau von Entspannungsimpulsen, der sich im geeignetem Moment überschießend Bahn bricht. Die Behandlung dieser Reaktionsstruktur erfolgt überwiegend in der Rückenposition, die Herstellung von koordinierten Ladungs- und Entladungswellen zwischen Kern und der gesamten Peripherie bildet das Zentrum der Behandlung. Die stehende Position (s. unter Reaktionsweise 1) kann zur Mobilisierung und Kanalisierung in die obere Extremität unterstützend eingesetzt werden; es darf nach der Arbeit im Stehen allerdings keine auch nur zeitlich kurze Ruhepause eingelegt werden, da genau diese Zeitspanne erneut das überschießende Reagieren mit parasympathischen Impulsen ermöglichen würde. In der Rückenlage wird die Arbeit mit nach oben gestreckten Armen begonnen; das Becken ist leicht angehoben und die Füße sind gleichmäßig mit dem Boden verbunden. Nach Einsetzen von Faszikulationen im Bereich der Ober- und Unterschenkelmuskulatur werden diese durch Druck zwischen die Knie unterbunden und die Ausbreitung der mobilisierten Kernenergie über die dorsale longitudinale Bahn zu den Armen angestrebt. Ähnlich wie bei Reaktionsform 1 werden Faszikulationen des Beckensegments zeitweise unterbunden; unter Verwendung der lumbalen und thorakalen Druckpunkte wird der Energiefluß zum Brustsegment geleitet. Die Spannung und Streckung der oberen Extremität wird kontinuierlich am M. pectorales durch Tasten überprüft; die Arme und Hände wirken in dieser Position wie Ableitungssysteme für zu starke Ladungsintensitäten im thorakalen Bereich. Es kommt zu ausladenden kraftvollen Faszikulationen und Schwingungen im Bereich der Arme, welche die gesamte Schultermuskulatur miteinbeziehen können. In der stehenden Position kann eine direkte Leitung der Energie über den ventralen aufsteigenden Kanal durch bewußtes Anhalten dieser Schwingungen durch den Patienten erreicht werden, während der Behandler den unteren Ansatz des M.sternocleidomastoideus drückt. Oft breitet sich dann die Energie mit hochfrequenten Vibrationen und Muskelzittern direkt in den Bereich des Unterkiefers aus. Ist dieses Segment ausreichend mobilisiert, kann durch Beißen auf ein geeignetes Objekt die Energie über den ventralen Kanal direkt in das Beckensegment zurückgeführt werden. Die Umkehr des Energieflusses nach caudal führt bei erfolgreicher Intervention zu heftigen Beckenkonvulsionen, die vom Behandelten als kraftvolle Freisetzung einer tieferen Energieschicht erfahren werden. Unterbricht man diese Zuckungen nach einiger Zeit, kommt es zu einem mächtigerem Emporströmen der Energie entlang der dorsalen Bahn als zuvor: die Faszikulation der Arme entwickelt ein für den Patienten anfänglich schwer zu tolerierendes Ausmaß. Dieser Prozeß ist von großer Bedeutung, da durch diese Behandlungssequenz die energetischen Bahnen mehr und mehr an Fülle gewinnen, die Ladungshaltekapazität der Peripherie gesteigert werden kann.  

Bei auftretenden Vibrationen im Pektoralis- und Oberarmbereich, die sich als feinschlägiges Zittern bis in die Hände abbilden können, wird der Patient zu ruhiger und vertiefter Ausatmung angeleitet. Hat der Organismus über viele Behandlungen, die in gleichmäßiges und verteiltes Vibrieren des Brustsegments mündeten, eine feine Abstimmung der Spannungs-/ Ladungsvorgänge im Rumpfbereich erreichen können, so kommt es zu einem beeindruckenden Ladung /Entladungszyklus entlang der dorsalen Bahn: Bei jeder Einatmung kommt es zu Vibrationserscheinungen im Bereich der Brust, der Arme und Hände; im Verlauf jeder Ausatmung fließen diese Vibrationen über das Becken in Beine und Füße. Die durch das Auf- und Absteigen des Zwerchfells entstehenden Druckschwankungen auf die vegetativen Nervengeflechte und die Kernenergiegebiete des menschlichen Organismus drücken sich anschaulich in diesem gebahnten Geschehen aus.

Reaktionsweise 3:  

Bei der Position in Bauchlage beginnt unter Streckung der Extremitätenmuskulatur und vertiefter Atmung unmittelbar eine Faszikulation der oberen Extremität, die durch Kanalisierung der dorsalen longitudinalen Bahn schnell gesteigert und zu einem ausladenden Schwingen der Arme übergehen kann. Längs - und Querschwingungen können in weichen Bewegungsformen den ganzen Körper durchziehen, die verstärkte Ladung der Peripherie wird vom Organismus unmittelbar in Bewegungs- und Entladungsimpulse übersetzt. In der Position im Stehen setzen Vibrationen der unteren Extremitätenmuskulatur innerhalb von wenigen Minuten nach Einnahme der Position und Anheben der Füße ein; werden diese durch den Behandelnden unterdrückt, so kommt es sofort oder innerhalb von Minuten zu ausladenden Schwingungsbewegungen der oberen Extremität. In Rückenlage setzen ebenfalls Vibrationen ond / oder Faszikulationen der Beine nach wenigen Minuten unter Anspannung und vertiefter Atmung ein; Faszikulationen und Mobilisierungen des Rumpfes sind leicht im Verlauf weniger Behandlungsstunden herzustellen. Diese Patienten bieten - wie oben angeführt - dem Behandelnden am schnellsten das eindrucksvolle Bild der Mobilisation von Energie in der peripheren Muskulatur. Grobe Schwingungen durch den ganzen Körper, die vom Beckensegment bis zum Kopfbereich reichen können, entladen wieder und wieder die kurzzeitig in der Peripherie mobilisierte Energie. Fordert man den Patienten auf, diese autonomen Schwingungsimpulse für einen Moment willkürlich anzuhalten, erfährt der Organismus oft zum ersten Male die Empfindung der Fülle in Armen und Beinen.
Gerade beim schon an Krebs erkrankten Menschen kommt es zwischen den Behandlungsterminen nach zahlreichen solcher bewußten und willkürlichen Energiehalteerfahrungen zu eindrucksvollen, zunächst teilweise ängstigenden Erfahrungen des sich langsam bahnenden stärkeren Energieflusses durch die Extremitäten: Energiewellen vom biologischen Kern zur Peripherie, die wie Hitze- und Feuerwellen überwiegends nachts, im Zustand der Expansion des Organimus erlebt werden, bilden eine typische Erfahrung der zunehmenden Pulsation zwischen Kern und Peripherie beim zu Krebs neigendem System. Das Ziel der Arbeit ist die Ausbildung starker Energiehaltestrukturen in der organismischen Peripherie, die der mittleren Schicht und dem Kern eine Abschirmung und eine höhere Ladungskapazität schrittweise ermöglichen. Die zentrale Position der Arbeit mit Menschen der dritten Reaktionsform ist die gestreckte Bauchlage unter vertiefter Atmung unter konsequenter Blockierug aller Entladungsimpulse in die Peripherie. Kein emotionaler oder somatischer discharge wird zugelassen; durch Einfaltung aller Faszikulationen und Schwingungen des Körpers und der Extremitäten wird kontinuirlich die Energie in Richtung biolgischer Kern gelenkt und eine zunehmende Kanalisierung der ventralen longitudinalen Bahn über das Brustbein und das Sternoclavikulargelenk in die tieferen Strukturen des Halses und die vegetativen Zentren des Kopfbereiches angestrebt.   Alle drei Reaktionstypen werden nach Durchlaufen der oben angeführten Behandlungsschritte erstens zur Kanalisierung der Extremitätenenergienbahnen (Grundposition in Rückenlage nach Reich, stehende Position nach Lassek), zweitens zur Bahnung der Energie im Diener- und Lenkergefäß (kleiner Kreislauf der chinesischen Medizin, Energiebahnen im lebendigem Orgonom nach Reich) und drittens zur intensiven Pulsation zwischen biologischem Kern und Peripherie (Ein- und Ausfaltungsarbeit in Bauchlage nach Lassek) in die Arbeit zur Ausbreitung der Vibrationen in Rückenlage überführt, die ich als weitesgehend der traditionellen Orgontherapie Reichs entsprechend ansehe.  

Einem verabredeten Signal des Patienten folgend, mit dem er seine Bereitschaft zum Beginn der Behandlung signalisiert, beginnt der Behandelnde den Patienten aufzufordern, die Atmung willkürlich zu vertiefen.  

Die Inspirationsphase wird unter der Anweisung, Arme und Hände nach oben rotieren zu lassen, verlängert und vertieft. Besondere Aufmerksamkeit wird auf den oberen Bereich des Brustkorbs gelegt, da hier die Atembewegungen bei der Mehrzahl der Patienten Der Patient liegt - wenn nicht abweichend beschrieben - auf einer ebenen Unterlage in Rückenlage. Die Beine sind angewinkelt, die Füße stehen flach und mit ausgewogener Druckverteilung zwischen Fußballen und Ferse ca. 30 cm auseinander, die Arme liegen rechtwinklig abgewinkelt vom Körper, die Hände ruhen auf dem Handrücken , die Handinnenseite ist geöffnet.

Dem Patienten muß ausreichend Zeit gegeben werden, sich in räumlicher Distanz zum Behandelnden in dieser Lage einzufinden und ein Gefühl für seine körperliche Integrität vor Beginn verbaler oder körperlicher Intervention entwickeln zu können. 

Jede körperliche Intervention des Behandelnden kann diese Integrität labilisieren, gefährden, sogar zerstören. Da das Ich - Gefühl eines jedes Menschen in seiner entwicklungsgeschichtlichen Grundlage aus Körperwahrnehmungen der Verbundenheit und Getrenntheit von der Mutter, aus Gefühlen der Selbst- und der Fremdwahrnehmung, aus der Anwesenheit und dem Vorhandensein schützender Umgebung oder dem Gefühl des Bedrohtseins durch die Wahrnehmung fremder Objekte herausdifferenziert wurde, sind Manipulationen am Körper und die Veränderung des "Hintergrundgefühls" der physischen Existenz bedrohlich für das Selbstgefühl des Patienten. Aus diesem Grunde muß in dieser Phase ein Kommunikationssystem gemeinsam aufgebaut werden, das dem Patienten eingeschränkt ist. Sollte eine verstärkte Ausdehnug dieses Bereichs während tiefer Inspiration auch durch die angeleitete Bewegung der Arme und Hände nicht erreicht werden, empfiehlt es sich, den Patienten gegen den leichten Druck der auf das obere Brustbein aufgelegten Hand des Behandelnden einatmen zu lassen. Durch diese Intervention kann der Patient die zunehmende Bewegungsfähigkeit des oberen Brustbereichs analog einem kinästhetischem Feedback - Mechanismus wahrnehmen und entwickeln. Oft weitet sich die Atmung nach dem Entfernen des leichten Drucks beträchtlich aus.  

Physiologie der vertieften Inspiration:  

Zur Vergrößerung des Innenraums des Brustkorbs und zur vermehrten Luftfüllung der Lungen werden folgende Muskeln bzw. Muskelgruppen kontrahiert :
- Zwerchfell:
vergrößert durch Abflachung seiner Kuppel den Längsdurchmesser des Brustkorbs und bewirkt bei ruhiger Atmung die Bewegung von mehr als zwei Dritteln der in die Lunge einströmenden Luft. Durch den Ansatz des Zwerchfells am Rand der unteren Rippen kommt es bei ausgedehnter Zusammenziehung desselben zu einer Hebung der unteren Rippen.
- Zwischenrippenmuskulatur:
Auch die Kontraktion der Interkostalmuskeln (Mm. intercostales externi und Mm. intercostales interni intercartilaginei) wirkt einatmungsvertiefend durch Hebung der Rippen.
- Zusätzliche Atemmuskulatur:
Unter verstärkter Einatmung, besonders bei angeleiteter vertiefter Inspiration in den oberen Brustkorbbereich unter Hinzunahme der Rotation der Arme und Hände, kontrahieren sich die Mm. scaleni, die an den unteren fünf Halswirbeln entspringen und durch ihren Ansatz am Oberrand der ersten und zweiten Rippe den oberen Brustkorbbereich heben und fixieren.
- Der M. sternocleidomastoideus hebt bei seiner Kontraktion das Brustbein und vergrößert ebenfalls den Durchmesser des oberen Thoraxbereiches. Ohne inspiratorische Pause wird der Patient zu einer tiefen Ausatmung angeleitet, die von einer Rotation der Arme und Hände nach hinten unterstützt wird. Im letztem Drittel der Ausatmungsphase  wird der Patient aufgefordert, zur Unterstützung einer tiefen Expiration die Bauchmuskulatur leicht zu kontrahieren.  

Physiologie der vertieften Expiration:  

Bei ruhiger, unwillkürlich gesteuerter Atmung erfolgt die Ausatmung passiv durch die Retraktionskraft der Lunge; vertiefte Atemarbeit geht mit der Innervation folgender Muskeln bzw. Muskelgruppen einher:
- Bauchmuskulatur:
M. obliquus externus und internus, M. transversus abdominis und
- M.rectus abdominis : sie senken die unteren Rippen und führen zu einer Kompression des Bauchinhalts.
- Darüberhinaus wirken als Rippensenker die Mm. intercostales interni.  

Eine derart über mindestens fünf bis zehn Minuten vertiefte Atmung wirkt wie ein Radarschirm in Bezug auf chronisch angespannte Zonen der Muskulatur : Die mimische Muskulatur und die distalen Regionen der Extremitäten beginnen mit Parästhesien und Verkrampfung zu reagieren. Diese Steigerung der neuromuskulären Erregbarkeit kann sich in starker Form in schmerzhaften, meist symmetrisch aufretenden tonischen Muskelkrämpfen in o.g. Bereichen äußern. Bei Auftreten der sogenannten "Pfötchenstellung" (Trousseau), d.h. einer leichten Beugung in Hand- u. Fingergrundgelenken, Streckung der übrigen Fingergelenke bei Anziehung des Daumens zur Handinnenfläche muß die vertiefte Atmung des Patienten sofort normalisiert werden.  

Durch kontinuierliche Arbeit mit der angeleiteten vertieften Atmung kann die zeitliche Dauer bis zum Auftreten dieser sogenannten "Hyperventilationstetanie" beständig weiter ausgedehnt werden; dies entspricht einer kontinuierlichen Erhöhung des für den Organismus des Patienten ertragbaren Aufladungs-/Erregungsniveaus. In zahlreichen Fällen kann man mit der Erlaubnis des Behandelten in fortgeschrittener Therapie durch das Erlebnis der dann erst nach langanhaltender vertiefter Atmung auftretenden Spasmen "hindurchgehen", d.h. bei weiter durchgeführter vermehrter Ventilation adaptiert sich der Organismus an die respiratorische Alkalose und die Spasmen im Hand- u. Gesichtsbereich lösen sich unter angenehmen Strömungsempfindungen während der Atemarbeit auf.
Kommt es bei einem Patienten sehr schnell zu den beschriebenen Spasmen, so kann man durch willkürliche Imitation und Verstärkung der Erscheinungen die Grenze zur Hyperventilationstetanie weiter ausdehnen.
Zu diesem Zwecke leitet man den Patienten an, beim Auftreten erster Verkrampfungsgefühle oder Parästhesien in eine willkürliche Kontraktion der Beugemuskeln der Handinnenfläche und der Finger überzugehen ("Krallenhand") und eine anhaltende starke Kontraktion der Stirnmuskulatur verbunden mit einer kontinuierlichen Vorstreckung der Lippen ("Kußmund") durchzuführen. Durch diese willkürliche Kontraktion der ansonsten durch die tetanischen Spasmen betroffenen Muskelzonen können die unangenehmen Begleiteffekte der neuromuskulären Übererregbarkeit stark vermindert oder ganz aufgehoben werden.

Nachdem in mehreren Behandlungsstunden das vom Organismus des Behandelten tolerierbare Ladungs-/Erregungsniveau diagnostiziert werden kann, wird der Patient aufgefordert, die Arme vor dem Körper parallel zu strecken, die Finger beider Hände vollständig zu strecken und zu spreizen und die auf diese Weise geöffneten Handinnenflächen während der vertieften Atmung in Abstand von ca. 10 cm zu halten. Weiterhin sollte das Becken aus der Ausgangsposition heraus leicht (!) angehoben werden, die Belastung des Fußes sollte an den Fußballen stärker als an der Ferse ausgeprägt werden.  

Ist eine ausreichende Ladung des Körpers durch die vertiefte Atmung erreicht worden, setzen Vibrationen in der gesamten Oberschenkelmuskulatur ein, die zunächst im Adduktorenbereich am ausgeprägtesten erscheinen. Viele Menschen reagieren auf das Einsetzen dieser unwillkürlichen Körperprozesse zunächst mit Angst, eine unterstützende Haltung des Behandelnden und die Versicherung, daß diese Vorgänge wenn dies der Patient wünscht, jederzeit durch Intervention gestoppt werden können, ist daher notwendig.
Nachdem die Vibrationen zunächst am stärksten während der Ausatmungsphase zu spüren und zu sehen sind, kommt es nach wiederholtem Erleben dieses Prozesses zu einer konstanten, d.h. während des gesamten Atmungszyklus andauernden Vibration im gesamten Ober- u. Unterschenkelbereich, die vom Patienten zunehmend als angenehm empfunden wird. Läßt man den Behandelten nach bis zu fünfzehnminütigem Verweilen in diesem Prozeß die Arme senken und das Becken wieder ablegen, so treten intensive Strömungs- und Wärmeempfindungen im Bereich der Lendenwirbelsäule, des tiefen Beckenbodens, der Ober- und Unterschenkel und der Füße auf.  

Jede ausgeprägtere faszikuläre Zuckung der Muskulatur im Bereich des Beckens oder der unteren Extremität sollte während dieser Phase der Atmungsarbeit vorsichtig unterdrückt werden, da diese Zuckungen vorzeitige Ladungsabfuhr und das Unvermögen des Organismus, höhere Ladungsniveaus zu tolerieren, signalisieren. Das Hauptziel der Arbeit mit diesen vertieften Atmungszyklen ist, die gesamte oberflächliche Muskulatur in gleichmäßige, hochfrequente, sichtbare und vom Behandelten spürbare (!) Vibrationen zu bringen, so daß ein ausgeglichenes Spannungs- und Ladungsgeschehen von den Adduktoren, den M. rectus abdominis mit Ausbreitung über den M. pectorales bis hin zum Platysma und den M. occipitalis, erreicht wird. Der Behandelte wird dazu angeleitet, selektiv Muskelgruppen am ganzen Körper und im Bereich der mimischen Muskulatur anzuspannen, während die Atmungsarbeit kontinuierlich vertieft wird. Strömungs- und Wärmeempfindungen, die einen guten subjektiven Indikator für die Herstellung der biologischen Pulsation darstellen, erfassen hiermit einhergehend den  gesamten Organismus des Patienten.  
- Ist eine derartige Ausbalancierung des bioenergetischen Systems des Patienten erreicht worden, so zeigen sich ohne weitere Intervention des Behandelnden rhythmische Zuckungen, die zunächst von der Muskulatur der Oberschenkel ausgehen und im Verlauf der weiteren Therapie die recto- abdominelle Muskulatur erreichen. Diese Zuckungen prägen sich weiter aus, bis sich das gesamte Becken im Rhythmus dieser Schwingungen bewegt. Mit der Ausbreitung dieser Schwingungen und Pulsationen zum Zwerchfell- und unterem Brustkorbbereich kommt es bei vielen Patienten zu einem vorübergehend als bedrohlich wahrgenommenen Gefühl des partiellen oder vollständigen Kontrollverlustes.
Aus diesem Grunde ist während des Prozesses der Ausbreitung dieser Zuckungen große Aufmerksamkeit auf die psychische Präsenz des Patienten zu legen.  

An somatischen Nebenerscheinungen kann es zu Übelkeit und Würgereflexen, Angina pectoris Anfällen ähnelnden Beklemmungsempfindungen am Herzen und spasmusartigen Verkrampfungen der Halsmuskulatur kommen.  

Diese Phänomene, die auf Erregungen vegetativer Strukturen beruhen, verschwinden mit der Ausbreitung der Schwingungen auf den Bereich des oberen Brustkorbes und des Hals- und Kopfbereiches. Die Bahnung der Energieströme in den Hals erfolgt unter Verwendung der beidseitigen Druckpunkte am Sternoclavikulargelenk und im am Sternum angrenzendem Raum zwischen zweiter und dritter Rippe. Ist der Erregungsstrom über das Platysma gebahnt worden, setzen feine periorale Zuckungen und Vibrationen zumeist am ausgeprägtesten im Bereich der Unterlippe ein. Durch feine Streichbewegungen aus der Gesichtsmitte heraus nach außen kann dieses Flimmern der mimischen Muskultur langsam weiter cranial gebahnt werden. 

Ist die Ausbalancierung dieses Geschehens über den ganzen Körper erreicht, bietet sich dem Behandelnden das Bild einer durch den ganzen Körper des Patienten gehenden Schwingung: Während jeder Einatmung geht vollkommen unwillkürlich der Kopf leicht nach vorne, das Becken bewegt sich leicht nach hinten, um dann bei jeder Ausatmung vom Boden abzuheben, während der Kopf sich leicht nach hinten neigt. Diese Schwingung wird anfänglich immer wieder von Faszikulationen und Vibrationen im Bereich der Oberschenkelmuskulatur, zeitweilig auch der mimischen, insbesondere der perioralen Muskulatur, durchbrochen und gestoppt, um aus diesen Entladungsvorgängen heraus immer wieder herausgebildet zu werden. Es bietet sich hier dem Betrachter ein eindrucksvolles Bild der Selbstregulation und ab dieser Stufe auch der Selbstorganisation  vegetativer und energetischer Prozesse im menschlichen Organismen:
Aufschaukeln der Ladung (charge) während der Phase der den ganzen Organismus durchwirkenden Schwingungen, Entladung (discharge) der überschüssigen oder zu diesem Zeitpunkt vom Organismus nicht mehr tolerierbaren Energie durch das neuromuskuläre Vibrieren und Faszikulieren.  

Orgon-/ Vegetotherapie und plasmatische Pulsationsarbeit erweitern das Ziel der psychosomatisch orientierten Psychotherapien um einen mehr im physischen Bereich liegenden Faktor. David Boadella, Professor für Humanistische Psychologie in London, formuliert das Ziel der Therapie in folgenden Worten: "Vegetotherapie hat die Aufgabe, die, wie Reich es nannte, "vegetative Beweglichkeit" des Patienten herzustellen. Eines der deutlichsten Anzeichen für das Gelingen dieser Absicht ist das Einsetzen von "Strömungsempfindungen", ausgelöst durch die Freisetzung von Energie aus den muskulären Spannungsknoten. In dem Maß, wie die Patienten ihre körperlichen Verkrampfungen zu beseitigen vermögen, wie ihre Atmung freier wird, nimmt ihre Fähigkeit zu, sich spontanen und unwillkürlichen Bewegungsimpulsen hinzugeben. Schritt für Schritt beginnen die verschiedenen Wärme-, Prickel- und Schauerempfindungen der Haut und der peripheren Muskulatur von Rumpf und Gliedmaßen sich zu einer konvulsivischen Reflexbewegung des gesamten Körpers zu verbinden, bei der sich das Rückgrat in unwillkürlichen klonischen Zuckungen krümmt und dehnt. In seiner Ganzheit betrachtet, scheint der Körper sich wie pulsierend zusammenzuziehen und zu strecken. Weil diese Bewegung große Ähnlichkeit mit den Zuckungen des Körpers beim Orgasmus besitzt, nannte Reich sie den "Orgasmusreflex". Jedoch sind die unwillkürlichen Zuckungen beim Orgasmus nur ein Ausdruck dieser fundamentalen Fähigkeit des Körpers zu biologischer Pulsation. Andere Äußerungen dieser Grundfunktion lustvoller Energieentladung sind die konvulsivischen Bewegungen des Fötus oder die klonischen Zuckungen, die man bei einem saugenden Kleinkind beobachten kann.
(David Boadella, "Wilhelm Reich",S.124, München 1981).

"Das Lebendige funktioniert autonom, jenseits des Bereiches von Sprache, Intellekt und Willkür. es funktioniert nach bestimmten Naturgesetzen, die wir hier zu erforschen haben. Der Orgasmusreflex ist mitsamt seinem Gebärdenausdruck der Hingabe, wie es sich bald zeigen wird, der Schlüssel zum Verständnis von fundamentalen Naturprozessen, die weit über das Individuum und sogar über das Lebendige hinausführen."
(Reich, "Charakteranalyse, S. 369, Köln 1970)  

4. Gedanken zum Behandlungsmodell und zur Verantwortung  

Was geschieht in der Orgontherapie, was tun wir eigentlich wirklich in dieser Arbeit ?  

Wir ermöglichen und erlauben das Auftreten von Veränderungen. Diese Veränderungen können wir unter dem Gesichtspunkt des Ausmaßes von Ordnung und Unordnung betrachen, das die materielle Welt kennzeichnet. Wir ermöglichen das Entstehen von Pulsationswellen im menschlichen Organismus und diese scheinen das biologische System in unbekannter Weise zu erstens der Neu- oder Selbstregulation zahlreicher eventuell erstarrter biochemischer, zellphysiologischer, immunologischer und auch psychodynamischer Prozesse zu führen und zweitens den Organismus in im Augenblick nur zu erahnender Weise mit Funktionsgesetzen und Synchronisationen der energetischen Umwelt stärker in Beziehung zu setzen.
Werden zum Beispiel in Luft oder Wasser Wellen erzeugt, dann bringen Wellen als solche keine neue Substanz hervor; tatsächlich organisieren sie das betreffende Medium (Luft oder Wasser) zusätzlich...
Bei allen Wellen richtet sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit nach den Medien, in denen sie sich manifestieren. Ermöglichen wir in dieser Arbeit dem menschlichen Plasmasystem, verschiedene Dichte- oder Viskositätsgrade einzunehmen, die es empfänglich für Wellen anderer Frequenz, für Wirkstrukturen anderer Seins- und Erfahrungsebenen machen können?
Andere Funktionen könnten sich derartig innerhalb des Körpers ein- und ausbilden... Nehmen wir das Bild einer Meereswelle, die sich auf den Strand zubewegt.
Die vorüberziehende Welle hebt und senkt das Wasser, aber sie treibt es nicht zum Ufer. Alle Wellenbewegungen im Meer gleichen sich in dieser Hinsicht. Eine kleine Bewegung genügt, um eine solche Form mit Ausbreitung und Geschwindigkeit vom Ursprung auszulösen und fortzuschicken. Das Medium, welches z.B. beim Schall die Form trägt, wird nur minimal erschüttert, und doch legt ein Donnerschlag achtzehn Kilometer in einer einzigen Minute zurück und ist mehr als dreißig Kilometer weit für unsere Sinnesorgane wahrzunehmen.                                           

Es erscheint mir auf unserem Gebiet von größter Bedeutung zu betonen, daß reine Energie Chaos ist, und das formgebende Einflüsse hinzutreten müssen, um Veränderung bewirken zu können. Wahrnehmung ist neurophysiologisch gesehen immer die Wahrnehmung von Unterschieden, von Veränderungen, was ist der Hintergrund?
Innerhalb des Nervensystems ist alles mit allem verbunden. In kybernetisch vorstellbaren und analysierbaren Schaltkreisen mit Selbsterregung und Rückkopplungen bildet das Nervensystem ein in sich geschlossenes Ganzes, die materielle Struktur der Energieleitlinien innerhalb des membranumspannten, plasmatischen Gebildes, das wir als Körper wahrzunehmen gewöhnt sind. Die energetischen, neuronalen Kreisprozesse sind lediglich über jene Nervenzellen, die die quergestreifte Muskulatur versorgen, unterbrochen.
Der Nervenimpuls geht über die motorische Endstrecke in Muskelkontraktionen über. So erhält sich das innerhalb der materiellen Verkörperung in sich abgeschlossene Nervensystem nur über Bewegungsvorgänge in Form einer offenen Wirkungskette ein Tor zur Umwelt. Nur die afferente Bahn der Sinnesorgane erhält außerdem einen Reiz der umgebenden Welt - erst über die Rückwirkung der Außenwelt schließt sich dieses geöffnete Kreis. Dann verschmelzen Bewegen und Wahrnehmen zu einer Einheit. Mehr als die Haut wird also das System der quergestreiften Muskulatur zum Grenzland zwischen der verkörperten Person und ihrer Umwelt, zum Ausdrucksorgan des gesamten energetischen, leiblich-seelischen Grenzbereiches.
Diese Netzwerke und Kreisprozesse des gesamten Nervensystems sind nicht durch externe Steuermechanismen, sondern durch interne Mechanismen der Selbstorganisation bestimmt.
Entscheidend ist, daß derartige Systeme nichts repräsentieren. "Anstatt eine unabhängige Außenwelt zu repräsentieren, inszenieren sie eine Welt, diese ist als Feld von Unterscheidungen untrennbar mit der im Kognitionssystem verkörperten Struktur verbunden.
Organismus und Umwelt sind ineinander eingefaltet und entfalten sich auseinander in der grundlegenden Zirkularität, die das Leben selbst darstellt. Die wichtigste Tätigkeit des Gehirns besteht darin, Veränderungen in sich selbst hervorzurufen." (Varela/Thompson, "The embodied mind", S.196, MIT, 1991).
Dieser für jedes Individuum einzigartige Grundtonus bildet die somatische Wiederspiegelung dessen, was die gegenwärtige Psychosomatik als "Stimmungen" im psychischen System bezeichnet.  

"Dieses noch undifferenzierte Erleben (beim Kleinkind, Anmerkung des Verfassers), in dem es weder ein Ich noch Objekte gibt, weder ein Innen noch ein Außen gibt, entspricht dem, was wir als Stimmungen bezeichnet haben. (...) Solange das Kind in der frühesten Phase die Mutter ist, sind die Spielregeln einfach. Später ist die Mutter außer der Brust vieles von dem, was mit dieser vertrauten Umgebung zu tun hat, und manches von diesem Umgang, z.B. die eigene Hand, die das Kind in den Mund steckt, kann für eine gewisse Zeit die abwesende Mutter ersetzen. Winnicott spricht von "Übergangsobjekten", welche in einem imaginären Raum die für das Kind lebenswichtige Beziehung mit der Mutter aufrechterhalten.
Er beschreibt eine Entwicklungsreihe, die damit beginnt, daß das Neugeborene die Faust in den Mund steckt und die schließlich zur Abhängigkeit von einem Teddybären, einer Puppe oder irgendeines anderen Spielzeuges führt.
Er beschreibt damit die Entstehungsgeschichte der Objekte, die als "Sachen" schließlich - losgelöst vom Subjekt und seiner Beziehung zur Mutter - die ursprüngliche Verbindung immer schwächer und ferner, am Ende nur noch ein schwaches Echo mit sich führen, das man für gewöhnlich gar nicht mehr merkt.
Aber wenn das Echo ausbleibt, schrecken wir auf und spüren, daß etwas zerrissen ist, das uns mit den Quellen unseres Daseins verband. - Wir fühlen, daß wir etwas verloren haben, das unserem Leben einen Sinn verlieh, ohne sagen zu können, was es war. Wenn dieses Echo fehlt, das uns sagt, wer wir sind und was die Bedürfnisse des Körpers für uns und für die anderen bedeuten, entstehen Übersetzungsschwierigkeiten, die pathogene Folgen haben können. In einer solchen Wirklichkeit kann der Körper, dessen Bedürfnisse nicht mehr in psychosoziale Aufgaben übersetzt werden können, Schaden nehmen."
(v.Uexküll, Theorie der Humanmedizin, S.322, München 1988).
"Der psycho-physiologische Organismus des Menschen hat zwei fundamentale Möglichkeiten seine Bedürfnisse und Spannungen, die kontinuierlich in ihm erzeugt werden, oder manchmal als Antwort auf Stimulation durch die Umgebung in ihm entstehen, zu entlasten. Ein Weg ist die Auseinandersetzung mit der Umgebung, sei es in der Phantasie oder in der Aktualität, der andere Weg dissoziiert die Repräsentationen des Triebes von Gedanken, bewußten Gefühlen und Aktionen, um sie innerhalb des biologischen Mediums - das ist innerhalb des Körpers - zur Entladung zu bringen, ohne die späteren phylogenetischen Ebenen des Ausdrucks zu involvieren."
(Bahnson, Psychophysiologicalcomplementary in malignancy, S.319, New York 1969).

Wir beseelen, was wir sehen, wahrnehmen und empfinden, und sehen, wahrnehmen und empfinden nur, was wir beseelen. Der von den Gamma-Motoneuronen aufrecherhaltene Tonus, den wir am offensichtlichsten mit der Behandlung beeinflußen, verändert und bestimmt unser Ein- und Ausgefaltetsein in der umgebenden Welt.  

Martin Konitzer zitiert in seiner Einführung zu Reich Ernst Jünger:  

Das Vegetative ist schon in den Elementen; das zeigen die Eisblumen. Die Eisblume ist nicht genetisch älter als die Rose; sie ahmen beide ein verborgenes Vorbild nach. Auch im Kristall ist Leben; der Baum des Lebens reicht mit seinen Wurzeln bis tief auf den Grund der Materie.  

Welche organisierenden, formgebenden Strukturen reichen durch die Schichten der unbelebten Materie bis hin zur organisch komplexorganisierten, mit Erkenntnisfunktion ausgestatteten menschlichen Daseinsform, woher kommt die appetition for completion, der Vollendungsdrang, wie ihn Alfred North Whitehead bezeichnete?
Oder müssen wir für jede Beschreibungsebene andere Strukturen postulieren, wie es Rupert Sheldrake tut - ihm zufolge gibt es z.B. bei Tieren über den formativen (von ihm morphogenetische Felder genannt) Strukturen weiterhin Instinkt- und Wahrnehmungsfelder, die die Aktivitäten des Nervensystems organisieren und koordinieren. Darüber gibt es hierarchisch noch höhere Ebenen, etwa Wahrnehmungsfelder und Felder höherer Verstandestätigkeit. Ihm zufolge umfaßt das Gravitationsfeld möglicherweise alle formgebenden Einflüße. Wir können Quantenmateriefelder annehmen, die mit starken und schwachen Kernkräften in Atomen zu tun haben und die Formen und Strukturen von Atomen und Molekülen bestimmen und nur über kurze Distanzen wirken können. Weiterhin elektromagnetische Felder als organisierende Felder komplexerer Strukturen. Das elektromagnetische Feld organisiert die Bindungs- und Formkräfte von Atomen, Molekülen und Kristallen. Schreitet man zu den Wachstumsprozessen der organischen Welt wie dem Pflanzenwachstum fort, schließt sich ein weiteres Organisationsfeld dem elektromagnetischem Feld an. Metanormale Erfahrungen und Wahrnehmungen ihrerseits weisen auf Felder hin, die das organische und bewußtseinsfähige Leben auf diesem Planten organisieren - darauf, das wir uns , den Menschen, als "diese große und wahre Amphibie, dessen Natur es ist, nicht nur wie andere Geschöpfe in unterschiedlichen Elementen, sondern in getrennten und voneinander verschiedenen Welten zu erleben" (Thomas Browne) vorstellen können.      

Alles beginnt mit dem Staunen, wie bei Platon, woraus dann Interesse und zum Schluß aktives Forsches wird. Aristoteles nannte Platons göttliche Ursache causa finalis oder Zweckursache und unterschied sie von den drei inneren und äußeren akzessorischen Ursachen z.B. bei der Errichtung eines Gebäudes: - den materialen (den Steinen und Hölzern), - den wirkenden (den Bauhandwerkern u. ihren Werkzeugen), - den formalen (dem Bauplan des Architekten) Ursachen. Die Zweckursache des Gebäudes ist z.B. die Verwendung als Vorlesungs- und Begegnungsstätte. Dieser Zweck, dem es dienen soll, ist die causa finalis.
Wieder: Vollendungsdrang.  

Welchen Einfluß hat das Menschenbild des Behandelnden auf diese Felder im behandelten Organismus?  

Wir müssen von neuen, anderen Modellen in der Arbeit mit Menschen ausgehen. Alte Begriffe, die eine andersartige Art der Erfahrung von uns in und mit der Welt repräsentierten, erfahrbar machen, wideraufleben und in die Begegnung zurückwirken lassen: Muster, Konfiguration, Struktur, Essenz, Werden, Entelechie, Wesen. Gegen eine Vorstellung von Entwicklung angehen, die die Komplexität menschlicher Erfahrungsmöglichkeiten auf Bedingungen der frühen Kindheit reduzieren will. Für eine Vorstellung von Entfaltung oder Ausfaltung wirken, die ohne unnötige Bewertungen die Individualität und Eingebundenheit des Einzelwesens in einen kollektiven Entfaltungsprozeß der Schöpfung einbezieht...
"Der größere Teil der Seele liegt außerhalb des Körpers", wie Sendivogius sagte, in dem Körper der umgebenden Welt liegt unsere Seele eingebunden. Oder Kierkegaard: "Die tiefere Natur ändert sich nicht: sie wird mehr und mehr sie selbst."

Individuation und handelnde Auseinandersetzung mit der umgebenden Welt als zwei Pole derselben Schwingung betrachten lernen, Distanz von dem uns beherrschenden, vom Christentum geprägten Bild der Entwicklung der Seele durch sich selbst, durch innere Bilder, durch Kontemplation, zu erwerben. "Ich bin ein Anderer", Abschied vom vertrauten mit-sich-selbst-sein lernen. Oder wie der alte jungianische Analytiker James Hillmann herausstellt: "Und andere würden nicht nur andere Menschen sein, weil die Gemeinschaft, so wie ich sie sehe, etwas Ökologischeres oder zu mindestens Animistischeres ist. Ein psychisches Feld.
Und wenn ich nicht in einem psychischem Feld mit anderen - Mitmenschen, Gebäuden, Tieren, Bäumen - bin, bin ich nicht. Es würde also nicht mehr heißen: "Ich denke, also bin ich." Es würde heißen: "Ich bin mit anderen, daher bin ich." Convivo ergo sum. ...
Es gibt noch einen weiteren Grund, warum man davon überzeugt ist, daß man alleine mehr sich selbst ist : weil es vertrauter ist. Man ist in einem ausgefahrenen Geleis. "Das bin ich, weil ich im selben Muster bin"; es ist erkennbar.
Wenn man bei einem anderen Menschen ist, ist man außer sich, weil der andere in einem selbst hineinströmt und man in den anderen ausströmt; es gibt Überraschungen, man hat nicht ganz die Gewalt über sich, und dann glaubt man, daß man nicht sein wahres Selbst ist. Dieses Verlieren der Kontrolle - das ist die Gemeinschaft, die durch uns wirkt. Sie ist der Ort, an dem man sich befindet, und der durch einen wirkt."
Therapie nach Reich ist ohne dieses Ausströmen nicht möglich - Reich selbst sprach von vegetativer Identifikation. Und jedem Patienten, der in diese Erfahrungswelten hineinempfinden konnte, gab ich Kierkegaards Worte zu verstehen: Angst ist die Erfahrung drohenden Nicht - Seins und darüber hinausweisend: Die Selbstbejahung eines Lebewesens ist umso größer, je mehr Nicht - Sein es in sich aufnehmen kann.  

Reich selbst näherte sich kurz vor seinem Tode einer Ahnung derartiger Einflüße: "But I think there is a deeper function there. And that is the constant feeling of human beings, which is hidden in neurotics and biopathic, armored individuals, but quite manifest in what we call "healthy people". (We should get away from that term, too. It becomes a religion again.) And that is a feeling of a separation from something. It is most clearly expressed in the pain, in the aching pain of being separated from the beloved, whether child, or wife, or husband, with a longing to unite again, to be together again, to be in contact again. But I think that this love experience is one of the functions, one of the variants of a much deeper thing. (kursiv vom Verfasser) Somehow, you think such thoughts on very quiet nights, no noises around except the high wind, thoughts of being separated from the cosmic orgone energy ocean, of being singled out, so to say."
(Reich, "Mans Roots in Nature", 26.08.1956, Orgonon, Vortragstranskript veröffentlicht in "Orgonomic Functionalism", Vol.II, S.68,  Rangeley 1991)
Und an anderer Stelle im gleichem Vortrag: "There is development, there is funktioning, there is process. What we have to do is to think in the direction of where does the pulsating system, the closed system, develop out of the orgone energy ocean and, with that, where does self-awareness begin to develop? (...) I learned to respect religious thought. I have to confess that. I did not twenty years ago. I began to see how deep the religious probing goes, how deep down,..." (a.a.o., S.66) 

Und meine Erfahrungen mit den Einwirkungen der Energie durch unterschiedlichste Organisationsstufen hindurch - die immer durch den behandelnden, einwirkenden Organismus mitvermittelt werden - hat mir viele Eindrücke in meinem Dasein über die Potentialität des menschlichen Seins gegeben; ich möchte an dieser Stelle nur zwei Er-innerungen benennen: Eva Reich, die zu der Zeit des Entwurfs für die Autorisation für das Reich-Institut mit mir in einem Restaurant in Berlin-Kreuzberg essen war, sprach mit mir über viele Jahre über Erfahrungen, die ich oft zu diesem Zeitpunkt nicht ernst nahm und ihr immer wieder sagte: wenn Du sie mir auch nächstes Jahr mit der gleichen Eindringlichkeit anrätst, werde ich mich mit ihnen beschäftigen...
(Der Hintergrund dieses Kommentars war die Vielfältigkeit der Methoden, mit denen sich Eva Reich in den achtziger Jahren auseinandersetzte und persönliche und therapeutische Erfahrungen sammelte; wenn wir uns in neunmonatigen Abständen zu zahlreichen intensiven Erfahrungsaustauschen trafen, gab es immer eine neue Empfehlung an mich, eine neue Methode kennenzulernen.)
Diesmal hatte ich die über längere Zeit von ihr ausgesprochene Empfehlung, mich mit craniosacraler Therapie zu beschäftigen, nicht befolgt; sie bezeichnete diese Methode als tiefe Vegetotherapie. Sie ging zum Waschraum und näherte sich mir beim Wiederkommen rückseitig und fragte mich flüsternd: "Darf ich Dich greifen und berühren, hier im Reataurant?" Ich nickte und erinnere nur, daß sie recht zarte Griffe an meiner Halswirbelsäule und dem Schädeldach vornahm - unmittelbar begann mein ganzer Körper wellenartig zu pulsieren und ich stieß an den Tisch, sodaß alle Tassen und Teller klirrten und Gläser laut umfielen. Die Gäste an den umliegenden Tischen schauten uns offensichtlich mit einer Mischung von Entsetzen und Erstaunen an: eine etwa siebzigjährige, elegant gekleidete, weißhaarige Frau bringt einen jungen Mann in einem Restaurant zu orgasmusähnlichen Ercheinungen durch durch bloßes Berühren des Kopfbereiches. Ich selbst war in diesem Geschehen nur ein fühlender, wahrnehmender Organisamus, durch den dichte, schnelle Wellen von Energie strömten; ich sah mit einem geweiteten Blickfeld, ich hörte auf eine distanzierte, fremd entfernte Art und Weise Evas Stimme, nahm in einem fast teilnahmslosen Zustand die anderen Gäste, die uns anstarrten, wahr und kam wieder ganz zu mir, als sich Eva mir gegenüber hinsetzte und mit strahlenden Augen einfach nur sagte: "Du pulsierst, jetzt gebe ich Dir gerne meine Vollmacht für das Institut mit dem Namen meines Vaters." Dieses Erlebnis führte mich dazu, die von ihr angewendete Methode nun wirklich näher kennenlernen zu wollen. Sechs Monate später lernte ich einen amerikanischen Kieferchirurgen kennen, der diese osteocraniosacrale Behandlung bei dem gleichen Lehrer gelernt hatte wie Eva Reich. Dr. Martin Allen kam in den folgenden Jahren regelmäßig nach Berlin und wir hatten die Möglichkeit zu zahlreichen Gesprächen und Spaziergängen. Anläßlich seines letzten Aufenthalts in Berlin für längere Zeit fragte er mich, ob ich die letzte, tiefste Stufe dieser Methode - die er an sich selbst erfahren hatte und in seiner Ausbildung erst nach vielen Jahren weitergeben würde - an mir selbst kennenlernen wollte. Ich bejahte aufgrund des großen Vertrauewns, das ich ihn als Mensch und Wesen hatte und habe, und so kam es zu einer Begegnung und Einwirkung in meiner Praxis mit mir als Behandelten. Martin Allen bat mich, auf dem Rücken liegend, um die Erlaubnis, tief in meinen Hals und an meinen harten Gaumen und die Weisheitszähne gehen zu dürfen... Sekunden nach der ersten Berührung befand ich mich auf einem Pferd reitend in einer teilweise schweren, metallischen Bekleidung einem mittelalterlichen Steingebäude nähernd. Ich erlebte keine spannende, mitteilungswürdige  Geschichte, sondern die scheinbare Echtzeit eines Rittes zu einem kleinen Gebäude in einer anderen, aber irgendwie ähnlichen Verkörperung, während ich mit einem Teil meines Bewußtseins mir über die Situation im Therapieraum der Praxis völlig klar war. Ich konnte mich umsehen, ich spürte eine Art Sattel unter mir, ich nahm die Gerüche des kleinen Waldstücks, in dem ich mich befand, wahr - und sah und fühlte Martin Allens Berührungen im Rachenraum und später auch am Steißbein. Ich war völlig klar und mit allen bekannten Sinnen in zwei Verkörperungen an zwei unterchiedlichen Raum-Zeit-Koordinaten. Diese Erfahrung änderte viele meiner Einstellungen gegenüber den Erfahrungen ähnlicher Art meiner Patienten in den fortgeschrittenen Phasen der Therapie...
Heute sage ich halb scherzhaft in meinen Weiterbildungsgruppen, daß niemand Angst vor einer intensiven Arbeit mit mir haben müßte, da ja nur ein achtel Heiko Lassek einem ein achtel anderen Wesen gleich näherkommen wird; aus der oben angeführten und vielen anderen gleichartigen Erfahrungen bildete sich Gewißheit, das die Verkörperung hier in diesem Kontinuum nur ein Teil einer in anderen Dimensionen liegenden vollkommeneren Entität ist. Zahlreiche Menschen, die intensiv und in Begegnung mit Lebewesen der gleichen biologischen Organisationsstufe, d.h. mit Menschen, arbeiten, und dabei nicht zu Therapeuten wurden sondern Begegnende blieben oder wurden, haben ähnliche Erfahrungen und Gewißheit über diese Seinsstufen, ohne diese öffentlich verkünden zu wollen - auf meine Lehrer trifft dies ohnehin zu. Gerade durch die Arbeit mit dem energetischen Leitlinien der innerhalb - geschlossen bis auf Bewegung und Sinnesreize, wie oben neurophysiologisch entwickelt - und außerhalb wirkenden Energien der abgespaltenen Teil-Entitäten, die wir darstellen, werden in pulsierenden, geöffneten verkörperten Seinserfahrungen die Tore für die Einwirkung informatorischer und organisierender Kräfte geöffnet. Nach dem Durchfließen eines strukturierten energetischen Prozesses scheinen diese Einwirkungen eindeutig heilenden Einfluß zu haben und das gesamte psycho-physische, verkörperte System anhaltend im Sinne eines Erfahrungs- und Lernprozesses zu verändern. Und dies im Gegensatz zu körperfremden, oftmals als "heilend" bzeichneten Einflüssen, die unorganisierte Energie von einem Behandelnden direkt oder über große Distanzen hinweg übertragen und den Körper des Behandelten unspezifisch, aber eingreifend verändern. Meiner Erfahrung nach werden hier die vorhandenen Energiemuster des Körpers erschüttert und durchdrungen, die Bahnungs- und Pulsationsmöglichkeiten des organismischen Systems jedoch nicht bleibend im Sinne einer Selbstorganisation entwickelt. Durch die Erschütterung und Energieübertragung können Symptombahnen tatsächlich verändert, d.h. Krankheitszustände manchmal in diesem Ausdrucksgeschehen unterbrochen werden, die Entwicklung selbstregulierender Fließ- und Puzlsationszustände jedoch nicht erreicht werden.
Die nun aus der symptomproduzierenden Bahn gelenkte Energie wird sich andere Ausdrucksmöglichkeiten suchen müssen - werden diese nicht in kürzester Zeit nach dem Verschwinden der Krankheitssymtomatik bereitgestellt, wird ein Rezidiv oder eine ähnliche Erkrankung auftauchen.

"La beaute sera convulsive ou elle ne sera pas" (Breton, Nadja).      

Orgontherapie beruht auf dem Wissen und dem Verständnis der biologischen Energiefunktionen lebender Organismen. Umsomehr diese Prozesse auch anatomisch und physiologisch beschrieben werden können, umso grundlegender und erfolgreicher wird auch die Behandlung verlaufen. Zur Zielsetzung einer Orgontherapie ist die Kenntnis folgender Grundlagen unbedingt erforderlich:
1. Die psychosomatische Bedingtheit oder Mitbedingtheit der Erkrankung.
2. Die Kenntnis der Energiefunktionen, die die Voraussetzung für Gesundheit sind; die Kenntnis des Energieniveaus und der organismischen Funktionen, die vor Ausbruch der Erkrankung vorhanden waren.
3. Die Ausarbeitung der biophysikalischen, vegetativen und energetischen Grundlagen der vorliegenden Erkrankung.
4. Die gemeinsam mit dem Patienten zu definierende Zielsetzung, d.h. die Ausarbeitung der Wiederherstellung derjenigen energetischen Funktionen, die gewährleisten, das die Erkrankung erfolgreich behandelt werden kann.
5. Die ausführliche Diskussion mit dem Patienten, wie die Wiedererlangung dieser Funktionen in sein Alltagsleben integriert werden können.    

Diagnostische Kriterien:    

(I.) VORLIEGENDER LADUNGSZUSTAND DES ORGANISMUS
 
(1.) Liegt eine Kontraktionsbiopathie vor?
 
(1.1.) akute Kontraktion
(1.2.) chronische Kontraktion
(1.3.) Anorgonie  

(2.) Liegt eine Unterladungs (low charge) biopathie vor?
 
(2.1.)  Kern unterladen/ geschwächt?
(2.2.) Peripherie unterladen/ geschwächt?
  
(3.) Liegt eine Überladungs (high charge) biopathie vor?
 
(3.1.) Kern überladen/ gestaut?
(3.2.) Peripherie überladen/ gestaut?

(4.) Liegt eine verminderte Ladungshaltekapazität vor?
 
II. BEWEGLICHKEIT DER LADUNGSVORGÄNGE IM ORGANISMUS
 
(1.) Fähigkeit zur Pulsation/ Oszillation  

(1.1.) Pulsationsfähigkeit vorhanden/ ausgeprägt
(1.2.) Pulsationsfähigkeit eingeschränkt
(1.3.) Pulsationsfähigkeit weitestgehend erloschen  

(2.) Fähigkeit zur Lumination/ organismischen Erregung  

(2.1.) Luminationsmöglichkeit vorhanden/ ausgeprägt
(2.2.) Luminationsmöglichkeit eingeschränkt
(2.3.) Luminationsmöglichkeit weitestgehend eingeschränkt    

III. ENERGETISCHE MORPHOLOGIE DES GESAMTORGANISMUS    

(3.1.) Welche Segmente sind energetisch beweglich?         
Welche Segmente zeigen charge/ discharge - Oszillationen?
(3.2.) Welche Segmente sind energetisch stark eingeschränkt?   
     
Welche Segmente sind im chronischem charge- Zustand?         
Welche Segmente sind im chronischem discharge- Zustand?    

IV. ERFASSUNG DES AKTUELLEN ENERGETISCHEN  FLIESSZUSTANDES DES ORGANISMUS  

(4.1.) Auf welchen Wegen nimmt der Organismus Energie/Ladung auf?
(4.2.) Auf welchen Wegen gibt der Organismus Energie/Ladung ab?
(4.3.) Auf welche Art und Weise hält der Organismus sein Ladungsniveau?          

5. Zusammenfassende Kommentare und Sichtweisen.

Die Energie selbst ist nicht unmittelbar erfahrbar. Wir können aber und ausschließlich ihre Erscheinungsformen, Manifestationen erkennen und begreifen lernen, auf welcher Erscheinungsebene wir angreifen.
Die Energie fließt in lebenden Systemen innerhalb eines Membransystems, einer Einkapselung gegenüber dem umgebenden, freibeweglichen und masselosen Orgonenergiestrom. Der Fluß dieser Energie und ihre Schwingung wird im membranumspannten Organismus als (plasmatisches) Strömen erlebt.
Diese Empfindungen sind die Grundlage dessen, was wir mehr körperorientiert als Emotionen, Hintergrundstimmungen - mehr psychischorientiert als Gedanken, Vorstellungen in Richtung der Einfärbung unserer Bewußtseinszustände erfahren.  

Sie werden zu "Verhalten" - körperlich, emotional, seelisch - geistig ... und zu Symptomen.  

" ... weder der Geist noch der Körper sind dem energetischen "functioning" näher. Das heißt, nicht nur Verbalisieren kann verhindern, das tiefere Prozesse entstehen, sondern auch Bewegung oder Emotion können dies verhindern. (...) Reich sprach von "erlerntem vegetativen Verhalten". dasselbe gilt für Gefühle. Reich warnte davor zu glauben, daß der befreite Affekt bereits der vegetative ist. Er betrachtete ihn solange als Teil eines Abwehrsystems, bis er ein bestimmtes Niveau erreicht hatte. (...) Sowohl der Körper als auch der Geist sind Manifestationen eines tieferen Prozesses. Solange wir dies nicht begriffen und in unsere Arbeit integriert haben,. werden wir nicht energetisch arbeiten, es sei denn gelegentlich und zufälligerweise. Mit Gedanken oder Gefühlen oder beiden zu arbeiten, heißt nicht energetisch per se zu arbeiten. Und zu glauben, man wäre, weil man mit Bewegung und der Provokation von Gefühlen arbeitet, energetischen Funktionen automatisch näher, bedeutet, daß man auf derselben Stufe mit den frühen Analytikern steht, die, wie Reich unterstrich, kein tieferes Verständnis des menschlichen Funktionierens erreichen konnten, weil sie fälschlicherweise glaubten, sie arbeiteten mit dem Unbewußten oder dem Es selbst. Sie verwechselten diee Manifestationen und Symptome mit dem, um was es wirklich ging.
(Davis, "Die gesammelten Worte von Will Davis" S.126, Eigendruck, Edition B, 1990)
 
Verhalten und Symptome sind die Ergebnisse eines Deutungsprozesses, den das Lebewesen auf der Grundlage seiner energetischen ----  plasmatischen ----  vegetativen Empfindungen vollzieht.  

"Verhaltensweisen und anschließend Symptome sind die ein- und zweimal gefilterten Interpretationen der orgonomischen Empfindungen, die wiederum durch die Wahrnehmung des Organismus von sich und seiner Realität gefiltert sind."
(Davis, a.a.o., S.127)  

Vegeto-/Orgontherapie ist demnach keine psychosomatische Arbeit. Psychosomatische Arbeit konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Psyche und Soma. Vegeto-/Orgontherapie ist Arbeit mit energetischen Prozessen in Gestalt ihrer somatischen und psychischen Erscheinungsformen.  

"Orgontherapie greift nicht auf Erinnerungen zurück, sondern auf die momentan vorhandenen Verankerungen früherer Erlebnisse; sie arbeitet daher mit ganz aktuellen Wirklichkeiten und nicht mit den Schatten vergangener Erinnerungen.
Aus diesem Prozeß der emotionellen Umwälzung kann sich unter Umständen eine Erinnerung entwickeln. Es ist jedoch nicht von therapeutischer Bedeutung, ob eine Erinnerung auftaucht oder nicht."
(Reich, Diskussion mit Studenten 1949, "Orgonomic Functionalism", Vol.II , aa.o.)  

"Die Psychologie analysiert und zerlegt Erfahrungen und Konflikte und verfolgt diese zurück zu früheren, historisch wichtigen Erfahrungen. Gegenwärtige Ideen und triebhafte Ziele eines Menschen sind ein verständliches Ergebnis früherer oder unterdrückter Ideen und instinktiver Ziele. Die funktionelle Orgonomie zerlegt nicht frühere Erfahrungen, sie arbeitet auch nicht mit der Assoziation von Gedanken, sondern sie arbeitet direkt mit den instinktiven, triebhaften Energien, die sie von der charakterologischen und muskulären Basis löst und so ermöglicht, daß die Energie wieder frei strömen und fließen kann. Sie beschäftigt sich nicht mit der Ursache einer Blockierung." (Reich, a.a.o.)

X. Epilog: Gedanken, Anregungen und zusammenfassende Kommentare und Sichtweisen.  

Was geschieht in der Orgontherapie, was tun wir eigentlich wirklich in dieser Arbeit?  
Wir ermöglichen und erlauben das Auftreten von Veränderungen. Diese Veränderungen können wir unter dem Gesichtspunkt des Ausmaßes von Ordnung und Unordnung betrachen, das die materielle Welt kennzeichnet. Wir ermöglichen das Entstehen von energetischen Pulsationswellen im menschlichen Organismus und diese scheinen:
- Erstens das biologische System in wissenschaftlich noch nicht zu erklärender Weise zu erstens der Neu- oder Selbstregulation zahlreicher eventuell erstarrter biochemischer, zellphysiologischer, immunologischer und auch psychodynamischer Prozesse zu führen und
- Zweitens den Organismus in im Augenblick nur zu erahnender Weise mit Funktionsgesetzen und Synchronisationen der energetischen Umwelt stärker in Beziehung zu setzen.
Werden zum Beispiel in Luft oder Wasser Wellen erzeugt, dann bringen Wellen als solche keine neue Substanz hervor; tatsächlich organisieren sie das betreffende Medium (Luft oder Wasser) zusätzlich... Bei allen Wellen richtet sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit nach den Medien, in denen sie sich manifestieren. Ermöglichen wir in dieser Arbeit dem menschlichen Plasmasystem, verschiedene Dichte- oder Viskositätsgrade einzunehmen, die es empfänglich für Wellen anderer Frequenz, für Wirkstrukturen anderer Seins- und Erfahrungsebenen machen können?
Andere Filter der Wahrnehmung und neue Funktionen könnten sich derartig innerhalb des Körpers ein- und ausbilden...
Nehmen wir das Bild einer Meereswelle, die sich auf den Strand zubewegt. Die vorüberziehende Welle hebt und senkt das Wasser, aber sie treibt es nicht zum Ufer. Alle Wellenbewegungen im Meer gleichen sich in dieser Hinsicht. Eine kleine Bewegung genügt, um eine solche Form mit Ausbreitung und Geschwindigkeit vom Ursprung auszulösen und fortzuschicken. Dies entspricht dem Druck auf die Kanalisierungspunkte auf der Hautoberfläche des menschlichen Organismus.
Das Medium, welches z.B. beim Schall die Form trägt, wird nur minimal erschüttert, und doch legt ein Donnerschlag achtzehn Kilometer in einer einzigen Minute zurück und ist mehr als dreißig Kilometer weit für unsere Sinnesorgane wahrzunehmen. Es erscheint mir auf unserem Gebiet von größter Bedeutung zu betonen, daß reine Energie Chaos ist, und das formgebende Einflüsse hinzutreten müssen, um Veränderung bewirken zu können. 
- Wahrnehmung ist neurophysiologisch gesehen immer die Wahrnehmung von Unterschieden, von Veränderungen, was ist der Hintergrund?
Innerhalb des Nervensystems ist alles mit allem verbunden.
In kybernetisch vorstellbaren und analysierbaren Schaltkreisen mit Selbsterregung und Rückkopplungen bildet das Nervensystem ein in sich geschlossenes Ganzes, die materielle Struktur der Energieleitlinien innerhalb des membranumspannten, plasmatischen Gebildes, das wir als Körper wahrzunehmen gewöhnt sind.
Die energetischen, neuronalen Kreisprozesse sind lediglich über jene Nervenzellen, die die quergestreifte Muskulatur versorgen, unterbrochen. Der Nervenimpuls geht über die sogenannte motorische Endstrecke in Muskelkontraktionen über.
So erhält sich das innerhalb der materiellen Verkörperung in sich abgeschlossene Nervensystem nur über Bewegungsvorgänge in Form einer offenen Wirkungskette ein Tor zur Umwelt. Fast nur die zum Zentralnervensystem gehende (afferente) Bahn der Sinnesorgane erhält außerdem einen Reiz der umgebenden Welt - erst über die Rückwirkung der Außenwelt schließt sich dieser geöffnete Kreis. Dann verschmelzen Bewegen und Wahrnehmen zu einer Einheit.  

Mehr als die Haut wird also das Muskelystem zum Grenzland zwischen der verkörperten Person und ihrer energetischen Umwelt, zum Ausdrucksorgan des gesamten energetischen, leiblich-seelischen und psychosomatischen Grenzbereiches.

Wie Francesco Varela und Humberto Maturana als Neurophysiologen herausgearbeitet haben, sind diese Netzwerke und Kreisprozesse des gesamten Nervensystems nicht durch externe Steuermechanismen, sondern überwiegend durch interne Mechanismen der Selbstorganisation bestimmt. Entscheidend ist, daß derartige Systeme nichts repräsentieren. "Anstatt eine unabhängige Außenwelt zu repräsentieren, inszenieren sie eine Welt, diese ist als Feld von Unterscheidungen untrennbar mit der im Kognitionssystem verkörperten Struktur verbunden. Organismus und Umwelt sind ineinander eingefaltet und entfalten sich auseinander in der grundlegenden Zirkularität, die das Leben selbst darstellt. Die wichtigste Tätigkeit des Gehirns besteht darin, Veränderungen in sich selbst hervorzurufen." (Varela/Thompson, "The embodied mind", S.196, MIT, 1991).

Dieser für jedes Individuum einzigartige Grundtonus bildet die somatische Wiederspiegelung dessen, was die gegenwärtige Psychosomatik als "Stimmungen" im psychischen System bezeichnet. "Dieses noch undifferenzierte Erleben (beim Kleinkind, Anmerkung des Verfassers), in dem es weder ein Ich noch Objekte gibt, weder ein Innen noch ein Außen gibt, entspricht dem, was wir als Stimmungen bezeichnet haben. (...)
Solange das Kind in der frühesten Phase die Mutter ist, sind die Spielregeln einfach. Später ist die Mutter außer der Brust vieles von dem, was mit dieser vertrauten Umgebung zu tun hat, und manches von diesem Umgang, z.B. die eigene Hand, die das Kind in den Mund steckt, kann für eine gewisse Zeit die abwesende Mutter ersetzen. Winnicott spricht von "Übergangsobjekten", welche in einem imaginären Raum die für das Kind lebenswichtige Beziehung mit der Mutter aufrechterhalten.
Er beschreibt eine Entwicklungsreihe, die damit beginnt, daß das Neugeborene die Faust in den Mund steckt und die schließlich zur Abhängigkeit von einem Teddybären, einer Puppe oder irgendeines anderen Spielzeuges führt.
Er beschreibt damit die Entstehungsgeschichte der Objekte, die als "Sachen" schließlich - losgelöst vom Subjekt und seiner Beziehung zur Mutter - die ursprüngliche Verbindung immer schwächer und ferner, am Ende nur noch ein schwaches Echo mit sich führen, das man für gewöhnlich gar nicht mehr merkt. Aber wenn das Echo ausbleibt, schrecken wir auf und spüren, daß etwas zerrissen ist, das uns mit den Quellen unseres Daseins verband.
- Wir fühlen, daß wir etwas verloren haben, das unserem Leben einen Sinn verlieh, ohne sagen zu können, was es war. Wenn dieses Echo fehlt, das uns sagt, wer wir sind und was die Bedürfnisse des Körpers für uns und für die anderen bedeuten, entstehen Übersetzungsschwierigkeiten, die pathogene Folgen haben können. In einer solchen Wirklichkeit kann der Körper, dessen Bedürfnisse nicht mehr in psychosoziale Aufgaben übersetzt werden können, Schaden nehmen."
(v.Uexküll, Theorie der Humanmedizin, S.322, München 1988).

"Der psycho-physiologische Organismus des Menschen hat zwei fundamentale Möglichkeiten seine Bedürfnisse und Spannungen, die kontinuierlich in ihm erzeugt werden, oder manchmal als Antwort auf Stimulation durch die Umgebung in ihm entstehen, zu entlasten. Ein Weg ist die Auseinandersetzung mit der Umgebung, sei es in der Phantasie oder in der Aktualität, der andere Weg dissoziiert die Repräsentationen des Triebes von Gedanken, bewußten Gefühlen und Aktionen, um sie innerhalb des biologischen Mediums - das ist innerhalb des Körpers - zur Entladung zu bringen, ohne die späteren phylogenetischen Ebenen des Ausdrucks zu involvieren."
(Bahnson, Psychophysiologicalcomplementary in malignancy, S.319, New York 1969).  

Wir beseelen, was wir sehen, wahrnehmen und empfinden, und sehen, wahrnehmen und empfinden nur, was wir beseelen. Der von den Gamma-Motoneuronen aufrecherhaltene Tonus, den wir am offensichtlichsten mit der Behandlung beeinflußen, verändert und bestimmt unser Ein- und Ausgefaltetsein in der umgebenden Welt.

Um es noch einmal zu zitieren:  

"Das Vegetative ist schon in den Elementen; das zeigen die Eisblumen. Die Eisblume ist nicht genetisch älter als die Rose; sie ahmen beide ein verborgenes Vorbild nach. Auch im Kristall ist Leben; der Baum des Lebens reicht mit seinen Wurzeln bis tief auf den Grund der Materie."
(Ernst Jünger, Scgraffiti)  

Welche organisierenden, formgebenden Strukturen reichen durch die Schichten der unbelebten Materie bis hin zur organisch komplexorganisierten, mit Erkenntnisfunktion ausgestatteten menschlichen Daseinsform, woher kommt die "appetition for completion", der Vollendungsdrang, wie ihn der große amerikanische Philosoph Alfred North Whitehead bezeichnete?
Oder müssen wir für jede Beschreibungsebene andere Strukturen postulieren, wie es der britische Forscher Rupert Sheldrake tut - ihm zufolge gibt es z.B. bei Tieren über den formativen (von ihm morphogenetische Felder genannt) Strukturen weiterhin Instinkt- und Wahrnehmungsfelder, die die Aktivitäten des Nervensystems organisieren und koordinieren. Darüber gibt es hierarchisch noch höhere Ebenen, etwa Wahrnehmungsfelder und Felder höherer Verstandestätigkeit.
Ihm zufolge umfaßt das Gravitationsfeld möglicherweise alle formgebenden Einflüße. Wir können Quantenmateriefelder annehmen, die mit starken und schwachen Kernkräften in Atomen zu tun haben und die Formen und Strukturen von Atomen und Molekülen bestimmen und nur über kurze Distanzen wirken können. Weiterhin elektromagnetische Felder als organisierende Felder komplexerer Strukturen.
Das elektromagnetische Feld organisiert die Bindungs- und Formkräfte von Atomen, Molekülen und Kristallen. Schreitet man zu den Wachstumsprozessen der organischen Welt wie dem Pflanzenwachstum fort, schließt sich ein weiteres Organisationsfeld dem elektromagnetischem Feld an. Metanormale Erfahrungen und Wahrnehmungen ihrerseits weisen auf Felder hin, die das organische und bewußtseinsfähige Leben auf diesem Planten organisieren - darauf, das wir uns , den Menschen, als "diese große und wahre Amphibie, dessen Natur es ist, nicht nur wie andere Geschöpfe in unterschiedlichen Elementen, sondern in getrennten und voneinander verschiedenen Welten zu erleben" (Thomas Browne) vorstellen können.
 
Alle Organismen unseres Planeten haben eine Grenze zu einer äußeren Welt: von den Viren, Bakterien, Einzellern über die Wirbellosen bis hin zu den Wirbeltieren, zu denen der Mensch gehört. Wie Reichs Forschungen in den dreissiger Jahren an den Universitäten von Kopenhagen und Oslo zeigen, reichen die Funktionen dieser kosmischen Energie bis in den nur mikroskopisch sichtbaren Bereich des Lebendigen; die Pulsationsfunktion der Orgonenergie durchdringt den gesamten organismischen Bereich. Ohne Begrenzung durch Membranen sind die Funktionsgesetze dieser Energie offensichtlicher wahrnehmbar: in atmosphärischen und astrophysikalischen Prozessen zeigen sich die Strömungserscheinungen und Überlagerungen der von Reich beschriebenen Orgonenergie in aller Deutlichkeit. Im Menschentier - und als solches sieht Reich den Homo sapiens sapiens - ist durch die Entwicklung der Selbstwahrnehmung und / oder durch planetarische Katastrophen eine neue Naturfunktion entstanden: die der Panzerung.
Eine zweite Begrenzung, diesmal gegen die Srömungsimpulse der Innenwahrnehmung des Organismus, hat sich zu der ersten, der Begrenzung gegen die Außenwelt, dazuentwickelt.  

Unfähig, diese die gesamte wahrnehmbare Welt durchdringenden Energiefunktionen in seinem eigenem Körper ungehindert wahrzunehmen, ist der Mensch nicht mehr in der Lage, die grundlegenden Energieprozesse in der ihn umgebenden Wirklichkeit wahrzunehmen und zu erforschen. Er erfaßt nunmehr ausschließlich eine materielle Welt; ihre von ihm untersuchten Gesetzmäßigkeiten (welche eine nachgeordnete Kategorie ihrer Funktionen bilden) zu erforschen, wird sein Dasein bestimmen. Es ergibt sich eine scheinbare Macht über diese Unterstruktur, die materielle Welt. 
- Wissenschaft gehört zu den Derivaten des Bewußtseins, einer evolutionär wahrscheinlich erst mit dem Homo sapiens sapiens auftretenden Struktur. 
Das Hiersein des Menschen ist nun vermindert und jede nachfolgende Generation wird die Konstitutiva dieser Verminderung in den ersten Minuten, Stunden und Tagen des Ankommens auf dieser Welt erleiden müssen. Begegnet ein derartig in der Fülle seiner Existenz eingeschränktes Lebewesen nun den verkörperten Funktionen des ursprünglichen Naturprinzips, so wird es an seine eigene Unvollkommenheit erinnert, an diejenige, dieses Leben in seiner Bewegung, Entwicklung in Hingabe zu leben. Diese Unfähigkeit des Menschen benannte Wilhelm Reich orgastische Impotenz, als nicht vorhandene Möglichkeit, hingebungsvoll sich den Funktionen den kosmischen Energiefunktionen zu ergeben.
Im Menschen fand Reich den Indikator für orgastischen Impotenz in dem Unterbleiben der unwillkürlichen, rein lustvollen Strömungsempfindungen in der Sexualität und den autonomen, nicht der Bewußtseinssteuerung unterliegenden Zuckungen kurz vor, während und nach dem Orgasmus. Reich wählte für die ätiologische Bestimmung der gehemmten Hingabefähigkeit die anschauliche Metapher "menschliche Panzerung"

"Contact with Space", Reichs letzte veröffentlichte Schrift - vor seinem Antritt der gegen ihn verhängten Haftstrafe in geringer Auflage an Mitarbeiter verteilt - zeigt in einer einfachen graphischen Darstellung seine Vorstellung der Schöpfung:  

Graphik: Amplitude          

Welchen Einfluß hat das Menschenbild des Behandelnden auf diese Felder im behandelten Organismus?  

Wir müssen meiner Meinung nach von neuen, anderen Modellen in der Arbeit mit Menschen ausgehen. Alte Begriffe, die eine andersartige Art der Erfahrung von uns in und mit der Welt repräsentierten, erfahrbar machen, wideraufleben und in die Begegnung zurückwirken lassen: Muster, Konfiguration, Struktur, Essenz, Werden, Entelechie, Wesen. Gegen eine Vorstellung von Entwicklung angehen, die die Komplexität menschlicher Erfahrungsmöglichkeiten auf Bedingungen der frühen Kindheit reduzieren will. Für eine Vorstellung von Entfaltung oder Ausfaltung wirken, die ohne unnötige Bewertungen die Individualität und Eingebundenheit des Einzelwesens in einen kollektiven Entfaltungsprozeß der Schöpfung einbezieht...
"Der größere Teil der Seele liegt außerhalb des Körpers", wie Sendivogius sagte, in dem Körper der umgebenden Welt liegt unsere Seele eingebunden. Oder Kierkegaard: "Die tiefere Natur ändert sich nicht: sie wird mehr und mehr sie selbst."   Individuation und handelnde Auseinandersetzung mit der umgebenden Welt als zwei Pole derselben Schwingung betrachten lernen, Distanz von dem uns beherrschenden, vom Christentum geprägten Bild der Entwicklung der Seele durch sich selbst, durch innere Bilder, durch Kontemplation, zu erwerben.
"Ich bin ein Anderer", Abschied vom vertrauten mit-sich-selbst-sein lernen.
Oder wie der alte jungianische Analytiker James Hillmann herausstellt: "Und andere würden nicht nur andere Menschen sein, weil die Gemeinschaft, so wie ich sie sehe, etwas Ökologischeres oder zu mindestens Animistischeres ist.
Ein psychisches Feld. Und wenn ich nicht in einem psychischem Feld mit anderen - Mitmenschen, Gebäuden, Tieren, Bäumen - bin, bin ich nicht. Es würde also nicht mehr heißen : "Ich denke, also bin ich." Es würde heißen: "Ich bin mit anderen, daher bin ich." Convivo ergo sum. ...
Es gibt noch einen weiteren Grund, warum man davon überzeugt ist, daß man alleine mehr sich selbst ist: weil es vertrauter ist. Man ist in einem ausgefahrenen Geleis. "Das bin ich, weil ich im selben Muster bin"; es ist erkennbar.
Wenn man bei einem anderen Menschen ist, ist man außer sich, weil der andere in einem selbst hineinströmt und man in den anderen ausströmt; es gibt Überraschungen, man hat nicht ganz die Gewalt über sich, und dann glaubt man, daß man nicht sein wahres Selbst ist. Dieses Verlieren der Kontrolle - das ist die Gemeinschaft, die durch uns wirkt.
Sie ist der Ort, an dem man sich befindet, und der durch einen wirkt." Therapie nach Reich ist ohne dieses Ausströmen nicht möglich - Reich selbst sprach von "vegetativer Identifikation". Und jedem Patienten, der in diese Erfahrungswelten hineinempfinden konnte, gab ich Kierkegaards Worte sinngemäß zu verstehen: Angst ist die Erfahrung drohenden Nicht -Seins und darüber hinausweisend:
Die Selbstbejahung eines Lebewesens ist umso größer, je mehr Nicht - Sein es in sich aufnehmen kann.

Reich selbst näherte sich kurz vor seinem Tode einer Ahnung derartiger Einflüße: "But I think there is a deeper function there. And that is the constant feeling of human beings, which is hidden in neurotics and biopathic, armored individuals, but quite manifest in what we call "healthy people".
(We should get away from that term, too. It becomes a religion again.)
And that is a feeling of a separation from something. It is most clearly expressed in the pain, in the aching pain of being separated from the beloved, whether child, or wife, or husband, with a longing to unite again, to be together again, to be in contact again. But I think that this love experience is one of the functions, one of the variants of a much deeper thing. (kursiv vom Verfasser) Somehow, you think such thoughts on very quiet nights, no noises around except the high wind, thoughts of being separated from the cosmic orgone energy ocean, of being singled out, so to say."
(Reich, "Mans Roots in Nature", 26.08.1956, Orgonon, Vortragstranskript veröffentlicht in "Orgonomic Functionalism", Vol.II, S.68,  Rangeley 1991)
"Aber ich denke, es gibt noch eine tiefere Funktion. Und das ist die immer vorhandene Empfindung der Menschen, die verschüttet ist bei neurotischen, biopathischen, gepanzerten Einzelpersonen, aber da ist in denen, die wir als "gesunde Menschen" bezeichnen. (Wir sollten auch diese Bezeichnung nicht mehr gebrauchen. Sie wird schon wieder eine Art von Religion.) Es ist die Empfindung des Abgetrenntseins von etwas. Sie drückt sich am klarsten in dem Leid, dem schmerzendem Leid des Getrenntseins von dem geliebten Wesen aus, ob es nun ein Kind, die Ehefrau, der Ehemann ist, verbunden mit der Sehnsucht nach Wiedervereinigung, Wiederzusammensein, wieder im Kontakt zu sein.
Aber ich denke das die Liebeserfahrung eine Funktion, eine der Erscheinungsformen eines viel tieferen Geschehens ist. Irgenwie denkt man solche Gedanken in sehr stillen Nächten, wenn es außer dem starken Wind kein Geräusch um dich gibt, Gedanken über das Abgetrenntsein vom kosmischen Orgonenergie - Ozean , so, wie herausgestoßen zu sein.", (sinngemäße Übersetzung vom Verfasser)
Und an anderer Stelle im gleichem Vortrag:
"There is development, there is funktioning, there is process. What we have to do is to think in the direction of where does the pulsating system, the closed system, develop out of the orgone energy ocean and, with that, where does self-awareness begin to develop? (...)
I learned to respect religious thought. I have to confess that. I did not twenty years ago. I began to see how deep the religious probing goes, how deep down,..." (a.a.o., S.66)
(Es gibt Entwicklung, es gibt Funktionsgesetze, es gibt Prozesse. Was wir zu tun haben, ist in die Richtung zu denken, wo sich das pulsierende System, das abgetrennte System, sich aus dem Orgonenergie - Ocean herausentwickelt und, unter Einbeziehung dieses Punkte, wo sich die Selbstwahrnehmung entwickeln kann. (...) Ich habe gelernt, religiöse Gedanken zu respektieren. Ich muß dies gestehen. Ich habe dies vor zwanzig Jahren immer abgelehnt. Ich habe begonnen wahrzunehmen, wie tief das religiöse Untersuchen dieser Zusammenhänge reicht, wie tief..." (sinngemäße Übersetzung vom Verfasser)  

"Wir haben es mit dem aktuellen, gegenwärtigen Funktionieren des Organismus zu tun und nicht mit historischen Ereignissen."
(Reich, Charakteranalyse, S.492)        


6. Wissenschaftliche Literatur.  

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